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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-01-01 · Heft 4 · p. Seite 302

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 4
Article
Die Vertreibung der Juden aus Weißenburg 1520
Date
1930-01-01
Page
Seite 302 (sequence 6)
Language
German
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Moritz Stern. Die Vertreibung der Juden aus Weißenburg 1520 stand, sondern weil die vorgekommenen Wunder nicht genügend beglaubigt waren. Mit dem Fortschreiten der Reformation ging die Kapelle ein, sie hatte nicht den erwarteten Geldsegen gebracht. Der Vollständigkeit halber sei noch hinzugefügt, was die Weißenburger Stadtchronik des Johann Alexander Döderlein14) (gest. 1745) über die Vertreibung der Juden berichtet. Dort heißt es: „Anno 1520 sind die Juden aus hiesiger Stadt, wie solches anno 1499 auch zu Nürnberg geschähe, geschaffet worden. Es liefen neben denen Bürgern15) beede Räthe16) mit Helleparten zusammen, brachen die sieben Judenhäuser und Synagog (welche ohnweit des obera Thors bey dem Bach, wo jetzo das Rebdorfische Kornhaus ist, gestanden seyn solle) ab, zerrissen ihre Bücher, warfen sie ins Wasser und ließen an deren Statt eine hölzerne Capell in honorem virginis Mariae bauen, die aber nicht geweihet wurde. Hierauf gingen sie mit den Fahnen zur schönen Maria nach Regenspurg Wallfahrt". Danach gab es in Weißenburg im Jahre 1520 außer der Synagoge sieben bewohnte Judenhäuser17). Daß auch letztere abgebrochen wurden, ist eine irrige Angabe18). Wie wir aus den Mitteilungen des Ratsbuches ersehen, wurden die Häuser verkauft. Es sind zwar zwei Häuser, die neben der zerstörten Synagoge der neuen Kapelle im Wege standen, abgebrochen worden; doch fehlt eine Nachricht darüber, daß es Judenhäuser waren. Von den Aufständischen sind sie jedenfalls nicht beseitigt worden. Falsch ist auch die Notiz, daß die Räte mit den Aufrührern gegen die Juden Hand in Hand gingen. Das Gegenteil war der Fall. Das Richtige hat eine andere Fassung der Chronik19) nach der beide Räte, mit Hellebarden bewaffnet20), die Juden in die Mitte nahmen und gegen die Wut des Pöbels beschützten21). 14) Chronik der Stadt Weißenburg i. B., hrsgg. von Christian Meyer, München 1904, S. 17. 15) Im Druck: Bürgen. 16) Es gab in Weißenburg einen äußeren (großen) und einen inneren (kleinen) Rat. 17) 1480 zählte die Weißenburger Judengemeinde nach den Berichten im Visitationsprotokoll des Eichstätter Generalvikars rund 150 Personen, die Zahl der Häuser schwankt in den verschiedenen Angaben zwischen 5 und 9: Ried S. 117—118. Im Jahre 1497 entrichteten die Weißenburger Juden zur außerordentlichen Judensteuer König Maximilians 80 Gld., während die Rothenburger nur 50 Gld. zahlten: Staatsarchiv Nürnberg S. I L 205 Nr. 21. 18) Sie wird aus Doederlein in „Bavaria, Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern" III, 2 (München 1865), S. 1205 wiederholt. Als Ursache der Vertreibung wird dort , „der wachsende Reichtum der Juden" angegeben. Die Quellen besagen jedoch hierüber nichts. In Regensburg und Rothenburg gilt die „Schädlichkeit" der Juden als Grund. 19) Bei Voltz, Chronik der Stadt Weißenburg im Nordgau und des Klosters Wülzburg, Weißenburg 1835, S. 71. 20) Vgl. in unserer Urkunde: „mit werhaffter hand". 21) Ungenau ist bei Voltz die Darstellung, daß die Juden im Anschluß an den Aufstand, beschützt gegen die Wut des Pöbels, aus der Stadt gebracht» wurden. Sie wickelten vielmehr erst noch ihre Geschäfte ab. Ohne den Widerspruch zu merken, druckt übrigens Voltz beide Fassungen der Doederleinschen Chronik hintereinander ab. 302

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