Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Vertreibung der Juden aus Weißenburg 1520
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 303 (sequence 7)
- Language
- German
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Moritz Stern. Die Vertreibung der Juden aus Weißenburg 1520. Ist daher der Bericht Doederleins ungenau, so gibt er uns doch einige Einzelheiten, von denen wir sonst nichts wissen. Neben der Zahl der Judenhäuser lernen wir die Lage der Synagoge kennen. Auch das hören wir, daß der Pöbel die Bücher der Synagoge22) (Gebetbücher) ins Wasser warf. Als Zeichen des Dankes und der Freude über die Vertreibung der Juden erfolgte eine Wallfahrt23) nach Regensburg zu der an Stelle der dortigen Synagoge errichteten Marienkapelle. Ueberschauen wir unsere Urkunde, die Stadtbucheintragungen und die chronikalische Nachricht, so können wir feststellen, daß es den Weißenburger Juden nicht so schlimm erging wie ihren Genossen in den beiden anderen Reichsstädten. Ihren Wohnsitz mußten sie freilich aufgeben, ihre Synagoge wurde eine Kirche. Aber ihr Vermögen, soweit es nicht durch die „erhitzten" Bürger beim Aufruhr beschädigt worden war, ließ man ihnen2*). Sie konnten ihre Schuldforderungen geltend machen und wurden nicht wie in Regensburg und Rothenburg dauernd verbannt. Im 17. Jahrhundert gab es in Weißenburg wieder eine kleine jüdische Gemeinde. 22) „ihre Bücher" bezieht sich auf das letzte Wort, die Synagoge. Siehe auch „an deren Statt". Voltz hat ausdrücklich: „Die in letzterer befindlichen Bücher". Leib, der die Synagoge überhaupt nicht nennt, schreibt nur „laceravit Codices", das Werfen ins Wasser findet sich bei ihm nicht. Sollte man auch in den Häusern die Bücher zerrissen haben, so handelte es sich dort wohl um die Pfandbücher. 23) Diese muß im Juni 1520 vor Vollendung der Weißenburger Marienkapelle erfolgt sein. „Hierauf" im Berichte Doederleins (in der Ausgabe Meyers) kann sich nicht erst auf die Zeit nach Verweigerung der Messe in der Weißenburger Kapelle beziehen, denn Wallfahrten nach Weißenburg fanden trotzdem statt. 24) In Rothenburg verloren die Juden ihre Zinsen, in Regensburg sogar alle ihre Außenstände. 303