Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Raschikapelle in Worms a. Rh.
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 295 (sequence 5)
- Language
- German
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J. Kiefer. Die Raschikapelle in Worms a. Rh. billigte, geht hervor, daß nur die Synagoge, und was damit zusammenhing, zerstört worden war. Alle Privathäuser dagegen blieben völlig intakt. Durch jene Akten kennen wir jedes Haus, jedes Zimmer, ja fast jedes Bett. Der Pöbel wurde nach dem Aufstand und der Austreibung der Juden sehr rasch aus der Judengasse verdrängt und der Rat ließ danach von allem Zurückgelassenen genaue notarielle Aufnahmen anfertigen. Ist sonach ein Lehrhaus niedergerissen worden, was durch Liwas Bericht feststeht, so kann es nur eines gewesen sein, das im Hof und neben der Synagoge stand. Vielleicht ließ sich Epstein auch durch die jetzige Abgrenzungsmauer und den Garten, der zwischen der Synagoge und dem Altersheim liegt, täuschen. Der Garten war früher öffentlicher Platz und die Mauer wurde erst im Jahre 1852 aufgeführt. Immer wieder treten diese lokalen Unkenntnisse bei ihm auf. So berichtet er von dem Vorhof: „Ein von einer Mauer umschlossener Hof umgibt die Synagoge in nördlicher, westlicher und südlicher Richtung. Durchschreiten wir ihn von Norden kommend, so bleibt die Frauensynagoge links und rechts erhebt sich ein etwa 2 Meter hoher viereckiger Raum, von einer Mauer umgeben. Ich konnte nicht herausbringen, wozu diese Anlage bestimmt war, erfuhr bloß, daß vor etwa 40 Jahren in der Mitte derselben ein uralter Nußbaum gestanden hätte." An Hand der schon erwähnten Lithographie hätte Epstein die frühere Gestaltung des Hofes sich veranschaulichen können. Bei dieser Anlage handelt es sich um einen angrenzenden Garten, der zur Beckhard'schen Speisewirtschaft gehörte und der in den 70er Jahren durch die Gemeinde erworben worden ist. Es ist erklärlich, daß Liwa das Lehrhaus noch nicht nach Raschi benannte. Die Tatsache der Anwesenheit Raschis in diesem Lehrhaus hat sich durch mündliche Ueberlieferung von selber wach erhalten. Mit der Errichtung des Ersatzbaues lag aber die Veranlassung vor, durch ausdrückliche Bezeichnung als Raschikapelle das Andenken an die Anwesenheit Raschis an dieser Stelle fortzupflanzen. Dennoch haben wir Beweise dafür, daß auch schon das alte Lehrhaus nach Raschi benannt worden ist. Elia Loanz war Zeitgenosse dieses alten Lehrhauses, und Juspa Schammes war sein Schüler. Wenn nun Juspa berichtet: „ein Bes hamidrasch schel Raschi soll es in früheren Zeiten gegeben haben", so brauchen wir nur Juspas Schrift anzusehen, um auch ohne graphologische Kenntnisse dessen gewiß zu sein, daß es sich bei dem Schreiber um einen bescheidenen, klugen, pflichttreuen und sehr gewissenhaften Menschen handeln muß, wie es auch ohne Weiteres begreiflich ist, daß ihm Elia Loanz die Mitteilung über das Raschi Lehrhaus gemacht haben wird. Noch ein anderer konnte ihm diese Tatsache bestätigen und zwar David Oppenheim, der erste Vorsteher der Gemeinde und Erbauer der jetzigen Raschikapelle. Denn als Juspa 1620 nach Worms kam, fand er bei dem 295