Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-01-01 · Heft 4 · p. Seite 296

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 4
Article
Die Raschikapelle in Worms a. Rh.
Date
1930-01-01
Page
Seite 296 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2259275-2259276-2259281-2260141--2705-2260205
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

J. Kiefer. Die Raschikapelle in Worms a. Rh. Genannten Unterkunft und wohnte längere Zeit bei ihm. Wie sollte denn auch sonst nach der Zerstörung der Synagoge ohne besonderen Anlaß eine Kapelle angebaut und aus welchem Grunde ihr der Name Raschis beigelegt worden sein? Noch ein Punkt, der mit dem Erbauer David Oppenheim zusammenhängt und der bisher noch nie berührt wurde, verdient ganz besondere Würdigung. Es wird nämlich u. a. berichtet, daß der Almemor in der Synagoge von David Oppenheim erbaut worden sei. Vertieft man sich aber in die noch vorhandenen Abbildungen und unterzieht man die spärlichen Bruchstücke des Bauwerks, die im Museum aufbewahrt werden, einer eingehenden Prüfung, so kommt man zu der Erkenntnis, daß es sich auch hierbei nur um eine Wiederherstellung gehandelt haben kann; denn der Almemor dürfte im 14. bis 15. Jahrhundert errichtet worden sein. Gehen wir von dieser kaum zu bestreitenden Annahme aus, so festigt sich in uns die Meinung, daß dieser erste Vorsteher alles, was beim Aufstand demoliert worden war, erneuerte, also neben dem Almemor auch das „Bes hamidrasch schel Raschi", unsere jetzige Raschikapelle. Zusammengefaßt, ergeben sich somit folgende Tatsachen: 1. In der Westwand der Synagoge war keine Tür, sie kann also auch nicht wegen der Errichtung der Raschikapelle zugemauert worden sein. 2. Die Inschrifttafeln berichten von Gebäuden, die im Hof gestanden haben. 3. Der Hof war nie größer, als er jetzt noch ist. 4. Liwa berichtet, daß im Jahre 1615 ein Lehrhaus zerstört worden ist. 5. Juspa Schammes berichtet, es habe in früheren Zeiten ein Bes hamidrasch und ein Bes hakneses schel Raschi gegeben. 6. Epstein hat das zerstörte Lehrhaus an falscher Stelle angenommen. 7. Mit der größten Wahrscheinlichkeit ist anzunehmen, daß David Oppenheim den Almemor nicht neu, sondern wieder aufbauen ließ, so daß der Schluß berechtigt ist, daß er das zerstörte Lehrhaus ebenso wieder aufbauen ließ. 8. Der Name Raschids ist nicht erst bei der Erneuerung des Baues aufgetaucht, sondern ein früheres Gebäude war schon mit dem Namen Raschids belegt. 9. Die Berichte über das frühere Bestehen eines Raschi-Lehrhauses durch Juspa Schammes sind als zuverlässig anzusehen. Nehmen wir die vorstehenden Punkte zusammen, so kann es keinem Zweifel unterliegen, daß die jetzige Raschikapelle auf dem Platze einer Vorgängerin steht. Die Wormser Gemeinde darf deshalb nicht nur stolz darauf sein, daß Raschi in ihren Mauern gewesen ist und hier seinen Studien oblag, sie kann auch mit Fug und Recht auf ihre jetzige Raschikapelle als auf die historische Stätte hinweisen, an der Raschi bei seiner Anwesenheit in Worms geweilt hat. 296

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.