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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-01-01 · Heft 4 · p. Seite 294

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 4
Article
Die Raschikapelle in Worms a. Rh.
Date
1930-01-01
Page
Seite 294 (sequence 4)
Language
German
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J. Kiefer. Die Raschikapelle in Worms a. Rh. der Synagoge; der vermutete Eingang hätte demnach zu ebener Erde sein müssen. Noch unmöglicher ist die Annahme, daß der Eingang wegen Erbauung der Raschikapelle zugemauert worden wäre. In jener Epoche, also im Anfang des 17. Jahrhunderts, hatte sich für den Bau von Synagogen schon ein ganz bestimmtes System herausgebildet. Man legte damals den Eingang zu einer Synagoge stets dem Allerheiligsten gegenüber. Daß ein solcher Eingang wegen der Erbauung der Raschikapelle beseitigt worden wäre, wenn er bestanden hätte, ist aus vorerwähntem Grunde ausgeschlossen. Mithin ist auch die Epstein'sche Annahme, daß wegen einer vorhandenen Türe eine Vorgängerin der jetzigen Raschikapelle nicht bestanden haben könne, ganz und gar hinfällig. Für das Vorhandensein eines Raschi-Lehrhauses an der Stelle der heutigen Raschikapelle haben wir dagegen eine ganze Reihe direkter Beweise und zwar auch solche, die Epstein selbst anführt. In seiner Schrift „Wormser Minhagbücher", Breslau 1900 (Seite XIV), schreibt er: „Das Lehrhaus, von dem hier die Rede ist, kommt in den Minhagbüchern sonst nicht mehr vor. Liwa erzahlt von dessen Zerstörung, nicht aber von seiner Herstellung 1620. Das Lehrhaus lag in Trümmern, bis Lob Sinzheim es um ein Jahrhundert später wieder aufbaute. Man beachte, daß Liwa das Lehrhaus noch nicht nach Raschi benennt; diese Bezeichnung muß zu seiner Zeit noch keine verbreitete gewesen sein. Das Lehrhaus wird Raschi zuerst von Juspa im Namen des Elia Loanz beigelegt. Ferner ist beachtenswert, das Liwa der sogenannten Raschikapelle keine Erwähnung tut, wohl aus dem einfachen Grunde, weil diese erst 1624 von David Josua Oppenheim erbaut wurde." Es besteht demnach die unbestrittene Tatsache, daß im Jahre 1615 ein Lehrhaus durch den Pöbel zerstört worden ist. Daß Liwa von einer Herstellung 1620 (wenn es sich nicht um einen Druckfehler handelt) nichts berichten kann, ist aus der vorherstehenden Begründung selbstverständlich. Epstein aber sucht das zerstörte Lehrhaus an falscher Stelle, was nachzuweisen keine großen Schwierigkeiten bereitet. Er nimmt an, daß das Lehrhaus in Trümmern blieb, bis es Löb Sinzheim und zwar als das jetzige Altersheim, südlich der Synagoge, wieder aufbaute. Es handelt sich folgerichtig um das ehemalige Tanzhaus mit der Wohnung des Rabbiners, und zwischen Zerstörung und Wiederaufbau würde ein Zeitraum von nicht weniger als 110 Jahren liegen. Wie konnte nur Epstein annehmen, daß bei der Enge der Wohnungsverhältnisse und der Wichtigkeit gerade dieser Räumlichkeiten dieses Haus über 100 Jahre in Trümmern blieb. Allem Anschein nach hat es Löb Sinzheim nicht einmal neu aufgebaut, sondern nur umgebaut. Aber dieses Haus wurde 1615 gar nicht zerstört. Wiederum fehlen hier Epstein die lokalen Kenntnisse. Aus den Akten des städtischen Archivs über den erwähnten Aufstand, den der Rat der Stadt miß- 294

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