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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-01-01 · Heft 4 · p. Seite 292

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 4
Article
Die Raschikapelle in Worms a. Rh.
Date
1930-01-01
Page
Seite 292 (sequence 2)
Language
German
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J. Kiefer. Die Raschikapelle in Worms a. Rh. Frauenbad führte. Die erstgemeinte Tafel behandelt die Erbauung der Männersynagoge durch Mar Jacob und Frau Rachel im Jahre 1034 und läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Die andere dagegen, in Ausführung und Schriftart wohl dieser ähnlich, hat einen Inhalt, der nicht ohne Weiteres klar ist. Psalmworte und Bibelsprüche bilden den Unterton und stellen eine recht schwer zu lösende Aufgabe dar. Der Inhalt betrifft den Hof der Synagoge und Gebäude, die sich darin befinden; er lautet nach Lewysohn: „Von der Sehnsucht nach dem Vorhof des Tempels errichtet, stehe das Zeugnis da in Joseph; Gottesfürchtige Ihr, schaut aufwärts zum Felsen, zur Schrift ihm vorn eingegraben. Den Inhalt beweist, ruft und bezeugt der Stein aus der Wand, der Balken aus dem Gehölz. Tief grub er bis zum Grunde und führte aufwärts das Gewölbe, einwärts führt ein gerader Weg, und die Wand erhebt sich aus früheren Trümmern. Dieses alles auf Kosten seines Geldes, auf daß er im Schatten der Weisheit eine Hütte sich schaffe, unter dem ästigen Baume, in jener Höhe errichtet, dort, wo beim Aufgang der Sonne das Licht ihm schön erglänzt, daß Schatten ihm werde in der Hütte, von der Haut dessen, über welchen die Freunde die Lose werfend, würdig zur Teilung im Kreise sich setzen. Genießen wird er der Freuden Fülle; einem Gurte gleich wird Tugend um seine Lenden, Treue um seine Hüften sich schließen." lieber diese Inschrift berichtet nun Epstein: „Sie befand sich somit anno 1559 oberhalb des Waschbeckens an der westlichen (oder südlichen?) Wand und oberhalb der nördlichen Tür angebracht, woselbst sie von Lewysohn gesehen wurde. Gegenwärtig ist sie in der östlichen Mauer des Vierecks (im Hofe) eingemauert. Es liegt nahe, anzunehmen, daß die Gedenktafel von ihrem ursprünglichen Platze i n - folge des Anbaues der Raschikapelle entfernt werden mußte. Die Inschrift ist sehr gut erhalten. Wenn Elieser über Undeutlichkeit klagt (Elieser ben Samuel nahm 1559 von allen Tafeln Abschriften), so muß sie zu seiner Zeit von Staub und Moos sehr bedeckt gewesen sein." Hier beginnen die falschen Folgerungen, und es fehlte außerdem Epstein das kundige Auge. Die Inschrifttafel besteht aus einer linken und einer rechten Hälfte, und es ist unschwer zu erkennen, daß die letztere nach Eliesers Zeit erneuert worden ist. Die Stelle jedoch, an der sich die Tafel ehemals befand, hätte zu dem Rätselraten („wenn ich nur Lewysohn recht verstehe", schreibt Epstein S. 9 Anm. 1) keine Veranlassung gegeben, wenn jemand Epstein auf die Abbildungen aus früheren Zeiten hingewiesen hätte. Aeltere Holzschnitte, besonders aber die Lithographien einer Wormser Kunstanstait, die in sehr vielen Familien verbreitet sind, zeigen, genau wie es Lewysohn beschreibt, daß diese Tafeln über der Tür, die zur Raschikapelle führte, und oberhalb des Waschbeckens angebracht waren. Sie befanden sich also niemals in der Westwand der Synagoge. 292

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