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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-01-01 · Heft 4 · p. Seite 291

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 4
Article
Die Raschikapelle in Worms a. Rh.
Date
1930-01-01
Page
Seite 291 (sequence 1)
Language
German
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Die Raschikapelle in Worms a. Rh. von J. Kiefer Der verstorbene Forscher A. Epstein aus Wien schrieb in seiner Veröffentlichung über „Jüdische Altertümer in Worms und Speyer, Breslau 1896": „Die Raschikapelle hat also mitRaschi nichts zu tun, und man soll diesen großen Lehrer, der sein ganzes Leben nach Wahrheit forschte, nicht mit einer Lüge zu verherrlichen suchen. Die jüdische Gemeinde zu Worms kann dabei immer noch stolz sein, daß Raschi seine Studien in ihrer Mitte gemacht hat." Man muß sich über die Heftigkeit dieser Auslassung wundern, umsomehr als Epstein selbst auf eine ganze Reihe von Widersprüchen gestoßen ist, die ihn bei seinen Behauptungen hätten zur Vorsicht mahnen sollen. Es ist auffallend, wie Geschichtsauffassung und Forschungsergebnisse über die Wormser Synagoge und Kultusgebäude bei den meisten, die sich mit dieser Materie beschäftigten, die verschiedensten Resultate gezeitigt haben. Teils waren die Forscher fähig, gute Uebersetzungen der hebräischen Inschrifttafeln und Aufzeichnungen zu liefern, fanden sich aber bautechnisch nicht zurecht, teils war bei ihnen das Umgekehrte der Fall. Der Mangel an gründlichen Lokalkenntnissen trat aber bei vielen ganz besonders nachteilig in Erscheinung; auch bei Epstein war dies der Fall. Zunächst hierfür ein Beispiel. Zum ersten Male veröffentlichte der s. Zt. in Worms amtierende Prediger Lewysohn in seinem Büchlein: „Nafschos zadikim" alle Inschriften der Synagoge. Hierauf bezugnehmend meinte Epstein in seiner Abhandlung: „Unglücklicherweise hat Lewysohn viel Confusion hineingebracht, indem er eine andere, viel jüngere Handschrift (Nr. 5) als den Anfang von unserer Nr. 1 betrachtete und so auch veröffentlichte. Er wußte dann nicht, was mit dem anderen Datum (1186) anzufangen sei, und verleitete durch den Mißgriff Graetz zu einer abenteuerlichen Conjektur." Von den beiden Inschriften, um die es sich hier handelt, befand sich eine rechts vom Nordportal der Männersynagoge, die andere, aus zwei Teilen bestehend, über einer Tür, die zur Raschikapelle und zum Vgl. A. Epstein-Wien: Jüdische Altertümer in Worms und Speyer, Breslau 1896. Verlag Schottländer. Derselbe: Wormser Minhagbücher, Breslau 1900. Verlag Schottländer. Dr. L. Lewysohn: Sechszig Epitaphien des isr. Friedhofes zu Worms, Frankf. 1855. Verlag Bär. 2» 291

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