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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-01-01 · Heft 4 · p. Seite 289

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 4
Article
Mendelssohn und Mecklenburg
Date
1930-01-01
Page
Seite 289 (sequence 15)
Language
German
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Siegfried Silberstein. Mendelssohn und Mecklenburg reichen Maaße von schriftstellerischer Unbescheidenheit versetzt; der mag das Buch lesen. Gern unterschreiben wir den guten Rath, den ihm (schreibt er selbst Th. 2, Vorrede) jemand gegeben „daß er zur Ersparung seines zu seinem notdürftigen Unterhalt kaum hinreichenden Gehalts, lieber garnichts drucken lassen möge." Aber er wird ihm nicht folgen! „Die Lobsprüche, welche die gelehrtesten Juden von meiner großen rabbinischen Gelehrsamkeit, weitläuftigen Briefwechsel mit ihnen u. s. f. untereinander machen, flößen ihnen keine gemeine Hochachtung gegen mich ein." Z. E. Th. 3. „Ein Brief an mich in hebr. und deutschen Reimen aus Strelitz den 16. April 1766, von Simon Elkana, Gesetzschreiber daselbst, — wo es unter andern heißt: Ach, wenn ich doch ein Münzmeister wäre, oder ein geschickter Medailleur, So nehme mir gewiß die Ehre, und prägete auf fein holländisch Kehr Euer Edlen Bild, wie Antonius, den frommen Kayser, Sie gleichen in Menschenliebe der Venus, in Wissenschaften ein rechter Weiser. Man hat nie gehört noch gesehen von einem so großen Professor, So viel mit Israeliten umzugehn!" — Nun, so laß er sich denn von seinen Israelitischen Dichtern vergöttern! Es ist übrigens sein Glück, daß die Verleger und Kupferstecher keine Zunft und Gilde ausmachen; sonst möchten sie dem lieben großen Professor bald das Handwerk legen. Denn er verlegt (leider! aus Mangel eines Verlegers, wie er oft bitterlich klagt) sein Werk selbst; und sticht auch selbst dazu in Kupfer: Kufische, arabische, persische Münzen, jüdische Grabschriften, laut beyliegender 5 Kupferplatten ab Olao Gerardo Tychsen LL. OO. P. P. O. in Alma Fridericiana Bützoviensi "A. C. 1769. mit eigner Hand, sorgfältig unter jeder angemerkt. B* An anderer Stelle des o. g. Nachtrags S. 75 sagt Tychsen: „Wider Mendelssohn habe ich nichts Ungebührliches erinnert. Er war, seiner übrigen anerkannten Vorzüge unbeschadet, weder im Thalmudischen noch im Hebräischen der Mann, der eine Stimme haben konnte. Sein Hauptstudium war Philosophie, durch welche er sich einen berühmten Namen erwarb. Ich würde seiner garnicht gedacht haben, wenn Herr L(ohnstein) mir es nicht so nahe gelegt hätte." Lohnstein (Gerichtsbeisitzer in Berlin, in dem bekannten Moses Isaacschen Fideicommis- Proceß der Gegner Tychsens) hat Tychsen verachtungsvolle Begegnung Mendelssohn gegenüber vorgeworfen . . . „wenn er sich erdreistet, die Asche eines Weltweisen zu beleidigen, dessen Andenken in unseren Herzen noch so unverloschen ist." (S. 167.) Auf Mendelssohns Kenntnisse der hebräischen Sprache kann Herr Tychsen keinen Verdacht werfen (S. 191)19). Tychsen sucht sich zu rechtfertigen, u. a. dadurch, daß er Mendelssohn Sünden gegen den hebr. Sprachgebrauch und wider die Regeln der Auslegungskunst vorwirft. So in der früher bereits angeführten Stelle Ps. 40, 8 — und, daß er Karath berith „ein Bündnis zerschneiden" gegen den Sprach- 19) Beytrag zur neuesten Geschichte, Berlin 1788. 2 289

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