Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 4
- Article
- Mendelssohn und Mecklenburg
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 288 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Siegfried Silberstein. Mendelssohn und Mecklenburg Tychsens, unterzeichnet „B*", die Tychsen (Nachtrag zu Tellers Beytrag zur neuesten Jüdischen Geschichte u. s. w., Rostock und Leipzig 1788, S. 81) als von Mendelssohn herrührend bezeichnet. Als Mendelssohn wie ein Purlms-Gaukler, klagt Tychsen, die ersten V Theile meiner Nebenstunden lächerlich zu machen suchte, und diese pasquillantische Recension ganz warm meinem huldreichsten Landesherrn in die Hände spielen liess, warum widerlegte er mich nicht, oder warum rügte er es nicht, wenn ich den Juden Unwahrheiten aufgebürdet hätte?......Tychsen ruft alle Judengemeinden in Mecklenburg, die ihn in Menge aus allen Gegenden besuchenden gelehrte und ungelehrte Juden zu Zeugen auf, daß er ihnen die thätigsten Liebesdienste von jeher erwiesen hat und gerne erweist. Durch ihn hat Aaron Isaac aus Bützow Eingang in Schweden, welches sonst den Juden verschlossen war, und worin jetzt die Zahl der Juden so groß gediehen ist, daß sie schon einen Oberlandrabbiner haben, gefunden. Den in Bützow promovierenden Juden hat er mit Rat und That beygestanden us. w. Das verdiene nicht Bitterkeit und Feindschaft gegen die jüdische Nation genannt zu werden. „Fehler, welche man verbessern kann, und Christen nachtheilig sind, zu rügen, ist eines Jeden Pflicht, nicht Feindseligkeit." Auf Tychsens eigenartigen Charakter einzugehen, ist hier nicht der Platz. Aber Mendelssohns wenig gekannte Kritik sei hier mitgeteilt: Philologie und Kritik. Bützowische Nebenstunden, verschiedenen zur morgenländischen Gelehrsamkeit gehörigen Sachen gewidmet. Erster bis Fünfter Theil. Bützow, 1764—1769. Jeder von 5 oder 6 Bogen. Ein erbärmliches Geschmiere! Wer Lust hat, Nachrichten von der Geschichte der Juden im Mecklenburgischen, von neuen jüdischen Schriften, von Münzen, von unerheblichen Varianten (mit guten Vorbedacht lateinisch aufgesetzt, damit, sagt der Verf. selbst, z. E. Kenicott in England sich derselben bedienen könne!) u.a.dgl. Dingen, zu lesen: und zwar dies alles mit vielem unnützen Gewäsche, in einem unausstehlichen, und oft pöbelhaften Styl, vornemlich auch mit einem Zu 4. B. M. Kap. 24, 17. Mendelssohn übersetzt: „Ich sehe ihn, noch ist er nicht, erblicke ihn, er ist nicht nahe. Ein Stern aus Jacob tritt hervor, ein Scepter erhebt sich aus Israel, zerschmettert die Häupter Moab, zertrümmert alle festen Mauern". Diesen Vers will ich aus allen drey jüdischen Versionen abschreiben, um den Abstand derselben von der Mendelsohnischen daraus abzunehmen (Tychsen). Die Cremonesische Uebersetzimg: „Ich sich ihn und nit itzunda, ich lug ihn, und nit er ds nohet, Es wert treten ein Stern von Jacob, und es wert aufstohn ein Gewalt von Israel, und er wert wunden Herrn Moab, und wert löchern alle Kinder Scheth." Die Blitzische: „Ich thu sehen ihnen, aber nit itzund; ich thu lugen ihnen, aber nit nahend. Da wert ein glücklichen Stern auskommen von Jacob, und wert aufstehn ein Gewalt von Israel, dash er wert wunden die Herren Moab, und wert umstürzen alle Kinder Scheth." Die Witzenhausische: „Ich werde ihn sehen, aber nit itzundert; ich werde ihn lugen, aber nit kürzlich. Ein Stern hat er getreten von Jacob, und es wert aufstehen ein königliche Gewalt von Israel, und er wert erschlagen die Herren von Moab, und er wert varstören all die Kinder von Scheth." 288