Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 4
- Article
- Mendelssohn und Mecklenburg
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 290 (sequence 16)
- Language
- German
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Siegfried Silber st ein. Mendelssohn und Mecklenburg gebrauch „ein Bündnis machen" in 1. M. 15,18, 21, 27, 32 übersetzt, in den Psalmen aber „ein Bündnis machen (errichten). Aus einem Briefwechsel zwischen Wolff Josephy-Dessau und Tychsen 1804. (Msg. Orientalia 285—143 Briefe an Tychsen.) Josephy sendet am 9. August 1804 eine gedruckte Ankündigung und einen Probebogen mit einer Uebersetzung des Commentars des Buches Micha und eine Uebersetzung des Buches Nachum Tychsen zur Beurteilung. Letzterer lobt Uebersetzung und Commentar und wird Subscribent. Er hebt besonders hervor, daß „die alten kauderwelschen deutschen Uebersetzungen, die das größte Hindernis bisher gewesen sind, warum die Glieder Ihres Volks großenteils so schlecht deutsch reden und schreiben, mit besseren vertauscht werden. Weder orientalische, portugiesische, englische noch französische Juden reden und schreiben so schlecht ihre Muttersprache. Nur die deutschen und polnischen Juden reden und sprechen eine Sprache, die vor 1000 Jahren die übliche war, wozu sie doch kein Gesetz verbindet." — „Daß Sie Ihw. durch „der Ewige"20) nach dem Beispiel Mendelssohns übersetzen, dawider habe ich nichts weiter zu erinnern, als daß, da wir ein eigenes Wort Gott in unserer Sprache haben, es mir schicklicher als ein adjectivum, wobei man sich immer ein substantivum denken muß, zu seyn scheint. Am richtigsten aber war der eigenthümliche Name selbst, womit Gott gemeint sein sollte. Moses verbot zwar nachher aus Local-Umständen ihn auszusprechen, die aber jetzt wegfallen, gab aber, daß man andere Namen Schaddai, Elohim, Eloha, El, Adonai dafür wählte, zur Vielgötterey den Juden und andern Völkern, wider seine Absicht, vielleicht Anlaß." Josephy erwidert ihm: „Ew. Wohlgeboren bemerken richtig, daß es endlich einmal Zeit sei, den bisherigen unter den Juden üblichen Jargon und fehlerhaften Sprachgebrauch aus unserer Mitte zu verbannen und dafür die reine deutsche Sprache einzuführen, wozu das Erlernen der heiligen Schrift auf eine faßliche Art und nach guten Uebersetzungen kein unwirksames Mittel sein mag." „Daß wir die Uebersetzung des Mendelssohn Ihw. durch der Ewige auszudrücken, beibehalten, ist freilich ein Notbehelf, weil man kein eigentliches Nomen proprium im Deutschen dafür hat, indem der Name Gott hur allgemeiner Bedeutung ist und daher für Adonai, El, Elohim geeignet wäre, Ihw. hingegen ein Compositum von hajah, howeh, wejijeh, ist und am füglichsten mit dem Worte: Ewiger oder Ewiges Wesen zu übersetzen ist. Freilich könnte man lieber das Wort selber beybehalten, aber welcher Anstoß würde dieses für die Rabbiner seyn, welche doch auch nicht ganz außer Acht gelassen werden dürfen"21). Ein weiterer Aufsatz folgt. 20) Vergl. Tychsens Brief vom 16. August 1778. S. 276 oben. 21) Wolff Joseph ist der bekannte Dessauer Gelehrte und Schulmann Joseph Wolf; s. über ihn Philippson Ph., Biographische Skizzen I. u. II. Heft, Lpz. 1864, S. 131 ff und die in der Jewish Encyclopedia XII, 549 angegebene Literatur. Philippson a. a. O., S. 164, bringt einen hebräischen Brief Tychsens an die Dessauer Bibelübersetzer im Wortlaut. 290