Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 4
- Article
- Mendelssohn und Mecklenburg
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 277 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Siegfried Silberstein. Mendelssohn und Mecklenburg sind im 110 ten Psalm die Verse 3 bis 7 behandelt, in welchen zum Theil wahrer Unsinn herrscht. Doch das werden Sie mit Zusammenhaltung meiner Uebersetzung ohne mein Erinnern selbst merken. Ebenso abgeschmackt ist Psalm 40, 8. Dieser merkwürdige Spruch von Christo, der die Mosaischen Gott nicht mehr gefälligen und unzulänglichen Opfer durch sein allein gültiges Opfer abschaffen wollte: „Da sprach ich, Siehe ich komme. In der Buchrolle (den 5 Büchern Mose) ist von mir geschrieben/' Dies ist die ganz wörtliche Uebersetzung. Nun hören sie Mendelssohn träumen: Da beschloß ich — komme jetzt, die Bücherrolle in der Hand, beschrieben mit des Dankes Pflicht. Wo steht hier im Text ein Wort von Dankespflicht? Eben sehe ich, daß er im 8 ten Psalm V. 4 sich des falschen Ausdrucks bedient: Die Sterne, die du eingesetzt. Von einem Gläser, der Scheiben einsetzt, möchte dieser Ausdruck gelten. Hiervon genug. (2. Nov. 1783.) Ich freue mich, daß meine Uebersetzung Smi. gnädigsten Beyfall gefunden hat. Neulich besuchte mich ein gelehrter Jude aus Berlin auf Veranlassung Mendelssohns, den er in den Himmel erhob. Als wir auf seine Psalmenübersetzung kamen und ich ihm meine Verwunderung, wie er oft elend und so ganz abgeschmackt übersetzt habe, bezeugte, sah er mich grimmig und dabey mitleidig an. Endlich da ich bey ihm mein Urteil durch den Augenschein rechtfertigte; so gerieht er in ein solch unbegreifliches Erstaunen, daß er nicht nur seine Uebersetzung auf die Erde warf und darauf stampfte; sondern ihn mit den greulichsten Flüchen und Schimpfwörtern belegte. Nachdem das Geblüt sich etwas abgekühlt hatte, geriethen wir in sehr ernstliche Gespräche, die nach Gottes Willen Frucht schaffen werden. Merkwürdig ists mir besonders in diesen Tagen gewesen, daß zwey sehr geschickte jüdische Studenten aus Kopenhagen hieher gekommen sind, um in Doctores medicinae zu promoviren, davon der eine Isaac Salomonsen ein großer Verehrer und vertrauter Freund des Mendelssohn ist. Weil Sie mir erzählten, daß der Bruder des hier begrabenen trefflichen Doctoris de Meza und seine Schwester vor einiger Zeit in Kopenhagen sich zum Christentum bekannt, und der Vater derselben ein sehr reicher und berühmter Doctor daselbst, sobald er diese Nachricht gehöret, ausgerufen: Welche Schande, daß meine Kinder das Licht sehen und ich in der Finsternis sitze, und darauf sich eiligst die Taufe ausgebeten habe; so veranlaßte mich diese Erzählung, mit ihnen die Gründe, die diesen sonst eifrigen Juden könnten zu diesem Schritte bewogen haben, hervorzusuchen und daraus den Schluß zu ziehen, daß dieser Doctor de Meza ungleich gelehrter und redlichem Herzens als Mendelssohn sein müsse. Hierauf versicherte dieser Salomonsen, daß Mendelssohn völlig die Angeschmacktheit des Judentums einsehe, ihn aber sein Stolz hindere, des Meza Beyspiel zu folgen. Denn Mendelssohn habe ihm selbst gesagt, ohne Gefolge werde ich kein Christ, weil man mich sonst parteiischer Absichten beschuldigen könnte; wenn aber 400 mit mir Christen werden wollen, dann bedenke ich mich keinen Augenblick. Doch genug hiervon. Gott wird schon zu seiner Zeit sein gefangen Volk erlösen. Aus obgedachten 277