Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 4
- Article
- Mendelssohn und Mecklenburg
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 276 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Siegfried Silberstein. Mendelssohn und Mecklenburg Liebster Freund! Meiner Zusage gemäss sende ich beygehendes, die angekündigte Mendelssohnsche jüdisch-deutsche Uebersetzung der 5 Bücher Mose Betreffendes. Damit Serenissimus Höchstselbst von dieser Uebersetzung sich einen Begriff machen können; so habe ich Alles, was Mendelssohn zur Probe hat drucken lassen, mit unserer Schrift sorgfältig abgeschrieben. Die darauf gewandte Mühe wird mir reichlich vergolten seyn, wenn Smus. sie nicht ungnädig aufnehmen werden. Sie, mein Liebster, werden sehen, daß Mendelssohn vieles recht gut deutsch, und besser w,ie Luther gegeben, aber auch zuweilen den guten deutschen Ausdruck vernachlässigt hat. Die Stellen zeichne ich nicht aus, weil sie Ihren hellen Blicken bey angestellter Vergleichung nicht entgehen werden. Daß Mendelssohn das Wort Jeh. durch den Ewigen übersetzt hat, läßt sich aus der Umschreibung dieses Namens in der Offenbahrung Johannis durch: der da ist, war und seyn wird, rechtfertigen. Warum er IV. B. M. 23, 4 Elohim, das Gott bedeutet, durch: das göttliche Wesen übersetzt hat, weiß ich nicht. Villeicht hat er dieses für zierlicher gehalten. Denn beyde Ausdrücke laufen auf eines hinaus. Den merkwürdigen Spruch IV. B. Mose 24, 17 hat er, wie mich deucht, so übersetzt, wie er nach dem prophetischen Geist mußte übersetzt werden. Denn die Propheten verkündigen auch Dinge als gegenwärtig, die doch erst lange nachher geschehen. Dies ist ein Beweis der Ueberzeugung von der Wahrheit ihres Gesichts. Und so erfordert es auch der hebräische Sprachgebrauch. Er führt unten in der rabbinischen Anmerkung an, daß einer ihrer alten Rabbinen diesen Spruch auf den Messias deute, ohne ihn zu widerlegen, welches mich sehr Wunder nimmt, weil seine Brüder ihn dafür scheel ansehen dürften. Da vermutlich diese Uebersetzung, sobald sie im Druck heraus seyn wird, mit deutscher Schrift herauskommen wird, so kann sie wegen des bey den philosophischen Freigeistern berühmten Mendelssohnischen Namens wenigstens den Nutzen haben, dass solche einmal die Bibel zu lesen, neubegierig werden (16. August 1778). Die Mendelssohnische Uebersetzung habe ich noch nicht gesehen, hoffe sie aber von der Messe bald zu erhalten. (23. Februar 1783.) Weil ich eben mit der Rostocker Post die Mendelssohnische Uebersetzung der Psalmen erhalte und zur Probe den 8ten, 40sten und 110ten Psalm ansehe; so finde ich für nötig, Ihnen in aller Kürze, weil die Post nicht lange verweilt, als einen Nachtrag zu meinem vorigen Briefe, Einiges diese Uebersetzung Betreffendes zu melden. In dem 8 ten und 110 ten hat Herr Mendelssohn da, wo er Luthers Uebersetzung verlassen, unter aller Kritik, wider allen Sprachgebrauch und Uebersetzerspflicht, übersetzt, wie Sie schon aus meiner wörtlichen Version handgreiflich werden ersehen haben12). Besonders jämmerlich 12) Am 29. Oktober hat er auf Befehl des Herzogs Psalm VIII und CX aus dem Hebräischen übersetzt, mit genauer Angabe der hebr. Aussprache und Bedeutung. (Brief v. 29. X.) 276