Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 3
- Article
- Mendelssohn-Literatur [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 270 (sequence 2)
- Language
- German
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und Mendelssohn" gehalten hat, veröffentlicht. In tief schürfender Analyse wird darin die Gegensätzlichkeit, die trotz gemeinsamer Züge im religiösen Denken der beiden Freunde bestand, herausgearbeitet. Lessings Begriff von der Erziehung des Menschengeschlechts hat Mendelssohn sich nicht zu eigen gemacht. Ihre religionsphilosophische Position hat Hermann Cohen weiter ausgestaltet. Was wissenschaftlichen Gehalt und Tiefe der Auffassung anbelangt, so darf der von der Encyclopaedia Judaica herausgegebene Sammelband „Moses Mendelssohn, Zur 200jährigen Wiederkehr seines Geburtstages" (Verlag- Lambert Schneider, Berlin) die wertvollste Veröffentlichung zum Mendelssohn-Jubiläum genannt werden. Von drei Seiten her wird das Thema erschlossen. Bruno Strauß gibt, auf die neuen Forschungsergebnisse gestützt, ein Lebensbild, das die wichtigsten Tatsachen und Probleme trefflich zusammenfaßt. Mit gewohnter Meisterschaft hat Ernst Cassirer „die Philosophie Moses Mendelssohns" behandelt. Seine streng sachliche Würdigung hält sich von der einstigen Ueber- und heutigen Unterschätzung des Denkers in gleicher Weise frei. „Mendelssohns Wirken im Judentum" stellt Simon Bernfeld dar. Ueberdies hat Hermann Meyer in einem Beitrag „Mendelssohn- Literatur" überreiches bibliographisches Material zusammengetragen. Bertha Badt - Strauß hat in einem schon äußerlich ansprechenden Bande „Moses Mendelssohn, der Mensch und das Werk" (Welt-Verlag, Berlin) Zeugnisse, Briefe und Gespräche^zu einem gefälligen Ganzen arrangiert. Die Absicht, aus einzelnen Quellenstücken mosaikartig eine Biographie zusammenzusetzen, ist im wesentlichen gelungen. Das sorgfältig gearbeitete Buch enthält nicht nur ein Lebensbild, sondern auch ein Zeit- und Kulturbild, umsomehr als die Herausgeberin eine feinsinnige Einleitung vorausgeschickt hat. Eine beliebte populäre Anthologie hat anläßlich des Jubiläums eine zweite Auflage erfahren. Dr. B. May und I. B. Levy haben ihr Bändchen „Moses Mendelssohn, eine Auswahl aus seinen Schriften und Briefen" (J. Kauffmann Verlag, Frankf. a. M.) diesmal um eine kurze Lebensbeschreibung vermehrt. 270 iau. An einen weiten Leserkreis wendet sich ebenfalls Jakob Seifensieders kurzgefaßte Biographie „Moses Mendelssohn, das Märchen seines Lebens" (Philo-Verlag, Berlin). Mit sympathischer Frische erzählt das kleine, allgemeinverständlich gehaltene Werk die wichtigsten Ereignisse aus dem Leben seines Helden. Die zahlreich eingeflochtenen Quellenstellen fügen sich der Darstellung gut ein 1). Die Zweimonatsschrift „Der Morgen" (Philo-Verlag, Berlin) bringt in ihrem Augustheft (Jg. 5, Nr. 3) mehrere wertvolle Beiträge zum Thema Mendelssohn. Albert Lewkowitz erblickt in der Idee der Humanität das Vermächtnis Mendelssohns an unsere Zeit. Ludwig Goldstein teilt in einem Aufsatz „Moses Mendelssohn und seine Zeitgenossen" Ergebnisse einer Untersuchung mit, die in manchen Punkten über Beate Berwins Studie „Moses Mendelssohn im Urteil seiner Zeitgenossen" hinausführt. Bertha Badt-Strauß skizziert Mendelssohns Tochter Dorothea. Eine schöne Festgabe, die über den Jubiläumstag hinaus ihren wissenschaftlichen Wert behalten wird, ist das vom Verbände der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland herausgegebene „Gedenkbuch für Moses Mendelssohn 1729—1929" (Verlag M. Poppelauer, Berlin). Eine Anzahl gediegener Beiträge ist hier vereinigt. U. a. hat Max Freudenthal einen Aufsatz „Aus der Heimat Moses Mendelssohns" beigesteuert; ein wenig bekanntes Problem hat sich Leopold Hirschberg in dem Aufsatz „Moses Mendelssohns Psalmen in der klassischen Musik" gestellt. Aus der Geigerschen „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" Bd. I ist Franz Munckers Aufsatz „Moses Mendelssohn und die deutsche Literatur" wieder abgedruckt worden. An seine Stelle hätte lieber eine moderne literarhistorische Darstellung treten sollen, wie denn überhaupt Mendelssohns Stellung innerhalb der deutschen Literaturgeschichte in der vorliegenden Literatur merkwürdig wenig berücksichtigt worden ist. x) Eine andere populäre Biographie liegt noch vor: J. Herzberg „Moses Mendelssohn, ein Lebensbild für die israelitische Jugend".