Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 3
- Article
- Mendelssohn-Literatur [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 271 (sequence 3)
- Language
- German
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Büchel In der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" (73. Jg., Heft 7/8; J. Kauffmann Verlag, Frankf. a. M.) erörtert Albert Lewko- \vitz „Mendelssohns Anschauungvom Wesen des Judentums". Die Auseinandersetzung mit Locke ist danach für Mendelssohns geistige Entwicklung entscheidend gewesen. Die jüdischen Zeitungen und Zeitschriften haben eine Anzahl von Mendelssohn-Sondernummern herausgebracht. Besonders hervorgehoben seien die C.V.-Zeitung (VIII. Jg., Nr. 35), das Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin (19. Jg., Nr. 9), das Frankfurter Israelitische Gemeindeblatt (8. Jg., Nr. 1), das Jüdische Gemeindeblatt für Anhalt und Umgegend (4. Jg., Nr. 38) sowie die Mitteilungen der Großloge für Deutschland VIII U. O. B. B. (Nr. 9, Sept. 1929) und der B'nei B'rith Mitteilungen für Oesterreich (Heft 7, Sept. 1929). In den genannten Blättern wird das einschlägige Thema durch eine Reihe fachkundiger Schriftsteller nach den verschiedensten Seiten hin behandelt. Aus der Fülle der Presse-Gedenkartikel verdient ein Aufsatz „Wo hat Moses Mendelssohn gewohnt?" (Vossische Ztg., Nr. 175 vom 30. Juli 1929) besondere Beachtung. Darin wird die Behauptung vertreten, daß Mendelssohn nicht in dem Hause Spandauer Str. 29 (frühere Nummer 63), an dem sich jetzt eine Gedenktafel der Stadt Berlin befindet, sondern in dem Hause Spandauer Str. 33 (frühere Nummer 68) gewohnt habe. Vorhin wurde gesagt, daß der literarhistorische Problemkreis vernachlässigt worden sei. Zur Steuer der Wahrheit sei jedoch auf den beachtenswerten Aufsatz hingewiesen, den Alfred Stern in der Neuen Schweizer Rundschau (Zürich, Jg. 22, 1929) über „Moses Mendelssohn und Shakespeare" veröffentlicht hat. In dem Schlußband der „Lehrendes Judentums nach den Quellen" (Gustav Engel Verlag, Leipzig), der „Judentum und Umwelt" zum Gegenstand hat, erörtert Max Wiener die Kulturbedeutung Mendelssohns (S. 460 f). „Die Gestalt dieses Aufklärers", meint er, „. . . erscheint uns vorzüglich in dem zwiefachen Licht jener Doppelstellung eines spezifisch jüdischen Gebens und Nehmens in bezug auf die Kultur der Umwelt". „In ihm zeigt sich eine charakteristische Verschmelzung des jüdischen Glaubens an die Vernunft und ihre lebensgestaltende Kraft mit dem Glauben der deutschen Aufklärung des achtzehnten Jahrhunderts". Andererseits betont Wiener wohl etwas zu stark die zeitliche Bedingtheit wie auch z. T. verhängnisvolle Wirkung der Aufklärungsideen Mendelssohns, die sich in der darauffolgenden Epoche der Romantik herausstellte (vgl. den Aufsatz desselben Autors in der vorliegenden Zeitschrift). Die Mendelssohn-Philologie ist durch Veröffentlichungen der Sondno-Gesellschaft gefördert worden. Fritz Bamberger hat in den Soncino-Blättern, Bd. 2, 1927 über Mendelssohns Gutachten, betr. die Bibliothek David Oppenheim gehandelt. Eine von Moritz Stern eingeleitete Facsimile-Reproduktion des Lesebuchs für Jüdische Kinder (Bln. 1779), das David Friedländer mit Beiträgen Mendelssohns herausgab, ist als Publikation 8 der Soncino-Gesellschaft, Berlin 1927, erschienen. Eine Fundgrube für die Forschung bildet das facsimilierte „Bücherverzeichniss der auserlesenen Büchersammhmg des seeligen Herrn Mcses Mendelssohn (Bln. 1786)", das als fünfte Publikation der Soncino-Gesellschaft (1926) erschienen ist. Ein Privatdruck zur Jahresversammlung der Soncino-Gesellschaft enthält eine mit philologischer Akribie verfaßte Schrift von Bruno Strauß „Moses Mendelssohn in Potsdam am 30. September 1771. Eine kleine Aufhellung" (Berlin 1929). Sie führt den Nachweis, daß eine Begegnung zwischen Mendelssohn und Friedrich dem Großen nie stattgefunden hat und trägt somit zur Zerstörung der Mendelssohn-Legende bei-. Fritz Friedlaender. 271