Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 3
- Article
- Polnische Übersetzungen und Editionen der Werke Moses Mendelssohns
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 266 (sequence 5)
- Language
- German
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Majer Balaban. Polnische Uebersetzungen and Editionen der Werke Mendelssohns dierte fleißig die vielen Schriften, die in den Jahren 1815—1822 zu der Frage erschienen, und versuchte sogar, sie bibliographisch festzulegen. Er kannte das Buch Dohms und die „Ritualgesetze" Mendelssohns und lieferte sogar drei Belege, daß das letztere von deutschen Gerichten als autoritativ betrachtet wurde10). Dieser Umstand bewog ihn — wie es scheint — die Ritualgesetze ins Polnische zu übertragen. Der Titel des Buches lautet: Obrzedowe ustawy Zydöw co do spadköw opiek, testamentöw i stosunköw malzenskich, o ile sie. te dotycza. wiasnosci przez Mojzesza Mendelsohna z poleoenia dworu pruskiego po niemiecku ulozone ttömaczyl Jan Nepomucen Janowski W Warszawie, Nakladem ttömacza. W tioczni A Gaiezowskiego i wspöiki, przy ulicy Zabiej pod liczba 472 1830. Auf dem Titelblatt ist ausdrücklich vermerkt, daß das Buch im Selbstverlage des Uebersetzers erschienen ist; der Umstand aber, daß es dem steinreichen Mäcen und Politiker Fürst Adam Czartoryski gewidmet ist, würde dafür sprechen, daß der Letztere die Mittel für die Herausgabe gespendet hat11). Auf Seite 1—16 gibt der Uebersetzer den Ursprung dieses Werkes und seine grundlegende Bedeutung nebst einer kurzen Biographie Mendelssohns, er streift die Judenfrage in Polen am Anfang des XIX. Jahrhunderts und bespricht — ziemlich kritiklos — die reiche Literatur über den Gegenstand. Die polnische Uebersetzung der Ritualgesetze der Juden ist wort- und sinngetreu, ebenso die Formulare der Ketuba, des Get usw. am Schlüsse des Werkes. Diese Formulare waren durch viele Jahrzehnte für die polnischen Behörden autoritativ, und daher befand sich dieses Buch in allen Gerichts- und Verwaltungsbibliotheken. Die beiden Uebersetzungen mendelssohnscher Werke drangen in die jüdischen, auch in die polnischen Häuser und trugen zum Ver- 10) Janowski zitiert folgende Belege: a) Aktenstücke aus dem Prozeß der verehelichten Banquier Jakob Markuse, geborenen Oütel Frankel, Klägerin und Revidentin, gegen den Banquier Joseph Frankel, Beklagten und Revisen, betreffend das Erbrecht eines jüd. Ehemannes in das nachgelassene Vermögen seiner Ehefrau. Berlin 1804, b) Deduktionsschrift dritter Instanz in Sachen der verehelichten Jakob Markuse etc., c) Die Erbfolge eines Ehemannes in dem Nachlaß, seiner ohne Kinder und Testament verstorbenen Ehefrau, nach jüd. Gesetzen. Rostock 1S04, verfaßt von Olaf Gerhard Tychsen, Professor der orientalischen Sprachen in Stockholm. u) Fürst Adam Czartoryski, war Jugendfreund des Kaisers Alexander I, und spielte als solcher eine große Rolle am Wiener Kongreß 1814—15. Nachher war er Schulkurator in Wilna usw. Nach dem Aufstand 1831 wanderte er nach Paris aus und gründete dort im Hotel Lambert das Zentrum der polnischen Emigration. 266