Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 3
- Article
- Polnische Übersetzungen und Editionen der Werke Moses Mendelssohns
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 263 (sequence 2)
- Language
- German
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Majer BaJaban. Polnische Uebersetzunsren und Editionen der Werke Mendelssohns ganzen Polemik, welche durch sie hervorgerufen worden war. Die alten Inventare der hochadeligen Bibliotheken der Fürsten Czartoryski, der Grafen Zamojski und Krasinski enthalten sehr viele Titel mendelssohnscher Schriften. Ihr Einfluß wie auch der Einfluß der mendelssohnschen Schule (Dohm, Homberg usw.) lassen sich in vielen Juden - reformvorschlägen wahrend des „großen" d. i. vierjährigen polnischen Reichstags (1788—1792) feststellen. Am stärksten ist dieser Einfluß bei Thadäus Czacki, einem der judenfreundlichsten polnischen Politiker festzustellen, der zehn Jahre nach der dritten Teilung Polens seine Ansichten mitsamt seinen Reformplänen in einer gründlichen Schrift „Rozprawa o Zydach"2), Wilno 18073), niedergelegt hat. Diese Arbeit, welche bis heute noch nicht ganz überholt ist, beruft sich auf Mendelssohns „Ritualgesetze der Juden"4), wobei gelegentlich einiges über Mendelssohn und seine Bedeutung erzählt wird. Auf den „Rituaigesetzen", wie auch auf dem Werke Seldens: Uxorhebrea, Desuccessionibus, baut Czacki mehrere Kapitel seines Werkes auf, was er selber sowohl im Text wie auch in den Fußnoten zugibt. Wenn wir nebenbei bemerken, daß die Korrektur dieses Werkes durch den nachmaligen großen polnischen Historiker und Archäologen Joachim Lelewel besorgt wurde, so sehen wir den Weg, auf welchem die Kenntnis dieses und anderer mendelssohnscher Werke zu Lelewel und seinen zahlreichen Schülern drang5). Nach vielen Proben und Uebersetzungen größerer Exzerpte aus den Ritualgesetzen wurde dieses Buch im Jahre 1830 gänzlich ins Polnische übertragen, ein Jahr vorher (1829) erschien die polnische Uebersetzung des Phädon von Jakob Tugendhold. Jakob Tugendhold war ein deutscher Jude. Sein Vater Isaja Tugendhold (1755—1820) stammte aus Breslau, von wo er nach Polen auswanderte6). Er hatte zwei Söhne: Wolf, nachmaligen Zensor in Wilna, und Jakob, von dem wir mit Sicherheit nur sagen können, daß er 1794 geboren ist und daß er in Breslau das Gym- 2) „Dissertation über Juden", häufig in Graetz, Bd. XI, zitiert. 3) 120. s. IV+245. Im Jahre 1835 gab der Krakauer Universitätsprofessor Michal Wiszniewski im III. Band seiner polnischen Geschichts- und Literaturquellen (Pomniki historji i iiteratury polskiej, pg. 39—223, zum zweiten Mal diese Arbeit Czackis heraus. Im zweiten Band derselben Sammlung edierte Wiszniewski Czackis Aufsatz über die Karäer. Die III. Auflage beider Aufsätze (Rozprawa o Zydach i Karaitach) erschien Krakau 1860, Editio Turowski. 4) Voller Titel: Ritualgesetze der Juden, betreffend Erbschaften, Vormundschaften, Testamente und Ehesachen, insoweit sie das Mein und Dein angehen, entworfen von Moses Mendelssohn, auf Veranlassung und unter Aufsicht des R. Hirschel Lewin, Oberrabbiners zu Berlin. 5) Dadurch wird die Aeußerung Kayserlings, Moses Mendelssohn, sein Leben und seine Werke, Leipzig 1862, S. 281, daß diese Schrift, trotz der vielen Auflagen, die sie erlebte, keine eigentliche Bedeutung erlangte, widerlegt. 6) Jewrejskaja Enzyklopädia Bd. XV, S. 40, wie auch in seinem Werke: Diwrei Jesaja. 263