Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 3
- Article
- Polnische Übersetzungen und Editionen der Werke Moses Mendelssohns
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 262 (sequence 1)
- Language
- German
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Polnische Übersetzungen und Editionen der Werke Moses Mendelssohns von Majer Balaban Bei der jüdischen Orthodoxie in Polen war Moses Mendelssohn der bestgehaßte Mann, man korrumpierte seinen Namen in M o s c h e Fresser (statt Desser) und sprach auch dieses mit Abscheu aus. Herz Homberg war der erste Herold der mendelssohnschen Lehre in Galizien, und der Haß, den man ihm entgegenbrachte, wurde auch auf seinen Meister übertragen Nur eine ganz dünne Schicht polnischer Maskilim wußte den Wert des großen Lehrers *["X3!3J!3*1 zu würdigen und vertiefte sich im Verborgenen in den Inhalt seiner Werke, besonders aber in seine Bibelübersetzung und den Kommentar (Biur). Wer aber bei diesem Studium ertappt wurde, der war seines Lebens nicht sicher, Schlage und Bannflüche wurden ihm nicht gespart. Ob „die Tora Mose Fressers" wirklich in der Judenstadt Kasimir bei Krakau verbrannt wurde, läßt sich mangels sicherer Quellen nicht feststellen, das eine ist aber sicher, daß kein polnischer Jude es um die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts wagte, öffentlich diese Bibel zu studieren. Anders lagen die Dinge bei der polnischen Intelligenz und bei den deutschen Juden, die nach der dritten Teilung Polens massenhaft in die polnischen Lande einwanderten. Am stärksten war die Einwanderung deutscher Juden nach Warschau, das in den Jahren, 1796—1807 unter preußischer Verwaltung stand. Die Benennung „Deutsche" und „Deutsche Schul" für fortgeschrittene Juden und Synagogen mit geregeltem Gottesdienst blieben bis heute im Volksmund lebende Beweise für die geistige und religiöse Einstellung der ersten preußischen Immigranten. Aber noch während des Bestandes des polnischen Staates sind der Ruhm und die Bedeutung Moses Mendelssohns hierher gedrungen; polnische Staatsmänner, die für die so akute Judenfrage Interesse hatten, studierten die Werke Mendelssohns gründlich mitsamt der x) Balaban: Herz Homberg in Galizien. Archivalische Studie. Jahrbuch f. jüd. Geschichte u. Lit. 1916, S. 189—221. 262