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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 259

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 3
Article
Christian Wilhem von Dohm
Date
1929-01-01
Page
Seite 259 (sequence 5)
Language
German
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Willy Cohn. Christian Wilhelm von Dohm spräche dieses eifrigsten unter allen Verteidigern der Juden nicht bloß von dem kleinen Teil des lesenden gelehrten, meist unwirksamen Publikums, sondern hauptsächlich von den Großen dieser Erde gehört werde, denen das glückliche Loos gefallen, versäumte Menschen zu beglücken". Außerordentlich groß war der Eindruck, den die Schrift auf die Juden der ganzen Welt machte. Daß ein christlicher hoher Beamter sich in selbstloser Weise für die Juden einsetzte, war etwas bisher noch nicht Dagewesenes. Ein eigenartiges Dokument besitzen wir in einem Brief, den die Vorsteher der portugiesisch-jüdischen Gemeinde von Surinam 1787 (niederländisch Guayana) an Dohm richteten8). Wir führen aus diesem Briefe einige wesentliche Sätze an: „Gestatten Sie also, würdiger Freund der Menschheit, daß wir in der Eigenschaft der Leiter und Vertreter der portugiesisch-jüdischen Nation, die seit mehr als einem Jahrhundert in Surinam in Amerika ihren Sitz hat, durch diesen Brief unseren Dank abstatten. Sie danken Ihnen für Ihren Eifer für dieses Werk, das Sie eben veröffentlicht haben, welches die politische Reform betrifft, ein Werk, das, obgleich schon seit 1782 gedruckt, erst im vergangenen Monat zu unserer Kenntnis gelangt ist, und obgleich hinsichtlich der philosophischen Duldung, welches der Wahlspruch des erhabenen holländischen Staates ist, unseres Vaterlandes, wir nur zu unserem Schicksal uns zu beglückwünschen haben. Trotzdem können wir uns unserer Bewunderung nicht enthalten". — — Auf dieses Schreiben antwortete Dohm von Köln aus unter dem 29. Januar 1787. Aus dieser Antwort, die zeigt, wie intensiv sich Dohm auch weiterhin mit der jüdischen Geschichte zu beschäftigen dachte, seien die folgenden Sätze mitgeteilt9): „Ich war nur angenehm überrascht, als ich durch Ihren Brief erfuhr, daß meine Schrift, die Ihre fast überall so ungerechter Weise so unglückliche Nation betrifft, bis zu Ihnen hat dringen können. Die Gefühle, welche mich bei der Abfassung geleitet haben, müßten diejenigen von allen guten Menschen sein, von allen wahren Christen und von allen wahren Politikern; ihrer Einfachheit, so hoffe ich, wird sie auch durch die Anordnungen der Regierungen in die Praxis umsetzen lassen, und ich würde mich immer beglückwünschen, wenn ich dazu so glücklich gewesen wäre, etwas beizutragen. Aber bis^heute habe ich diese Belohnung noch nicht empfangen, ich mußte im Gegenteil erfahren, fast in dem Moment, als ich Ihren Brief erhielt, daß man mein Buch in Paris verbrannt hat. Ich hoffe nur, daß dies durch ein Mißverständnis geschehen ist, daß man bald beseitigen wird. Die Zustimmung, die Sie mir meine Herren vom anderen Ende der Welt bezeugen, ist mir um so mehr tröstlicher. Sie haben das Glück, 8) Vgl. J. S. Roos: Additional Notes on the history of the Jevvs in Surinam. (Publications of the American Jevvish historical Society Number 13), 1905, S. 127 ff. besonders S. 133 f. 9) a.a.O. S. 134. 259

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