Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 3
- Article
- Christian Wilhem von Dohm
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 260 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Willy Cohn. Christian Wilhelm von Dohm nur durch die Ueberlieferung Ihrer Vorfahren die Art und Weise zu kennen, wie man Ihr Volk in Europa mißhandelt. Ihre Lage bringt mir einen überzeugenden Beweis für meinen Satz, daß die Juden wie wir fähig sind, gute Bürger zu sein, sofern man es ihnen gestattet. Sie würden mir einen nützlichen Dienst erweisen, wenn Sie mir einige Einzelheiten über die Vorteile mitteilten, die Ihre weise und aufgeklärte Regierung Ihnen gewährt. Ich würde besonders gern wessen, ob man auch dort, wo Sie sind, irgend welche Unterscheidungen zwischen Ihrem Volke und den anderen Bewohnern macht. Sind Ihnen alle Berufe, Beschäftigung und Handel jeder Art erlaubt? Genießen Sie das Recht, Grundstücke zu völligem Eigentum zu besitzen? Legt man Ihnen Sondersteuern auf? Ist die Zahl Ihrer Familien beschränkt? Haben Sie das Recht, das gemeinsame Vaterland als Soldat zu verteidigen und ihm als Beamter und Offizier zu dienen? Das sind Fragen, die mich sehr interessieren. Und Sie würden mich verpflichten, wenn Sie mir eine ausführliche, ins Einzelne gehende Antwort geben würden, der Sie vielleicht einige historische Notizen über das Schicksal, das Ihre Kolonie seit ihrer Gründung, deren Datum ich nicht kenne, erfahren hat, beifügen wollten; ferner über die Veränderungen, die man in Ihren Privilegien und Bürgerrechten gemacht, über den moralischen und politischen Zustand der Kolonie und über die Gefühle, die die Gerechtigkeit der Regierung den Christen gegen Sie hat einflößen müssen". Es ist durchaus anzunehmen, daß der Bericht in dem von Dohm gewünschten Sinne von Surinam an ihn abgegangen ist. Aber er ist uns eben so wenig erhalten, wie der gesamte übrige handschriftliche Nachlaß von Dohm. Alle Bemühungen, diesen aufzuspüren, waren bisher vergeblich10). 10) Auf meine Anfrage beim Archiv in Lemgo schrieb mir Professor Dr. Schacht: „Ueber den Verbleib des handschriftlichen Nachlasses des berühmten Staatsmannes Ch. W. v. Dohm hat man hier schon vor 3 Jahrzehnten angefragt. Im Jahre 1896 schrieb hierher ein damaliger Gymnasialoberlehrer Demcker aus Mühlhausen im Elsaß, es sei ihm von einer Urenkelin Dohms, einer Frau A. Beschoren in München mitgeteilt worden, daß dessen Tochter, die Witwe seines Biographen W. Gronau in den 50er Jahren den umfangreichen aus Briefen und Abhandlungen bestehenden Nachlaß ihres Vaters dem hiesigen Magistrat übersandt habe in der Absicht, das geschichtlich wertvolle Material bei ihren zahlreichen Reisen für die Nachwelt in Sicherheit zu sehen. Es war wohl selbstverständlich, daß die hochinteressante, hier völlig neue Nachricht einen Freund und Pfleger der Geschichte seiner Vaterstadt......zu eifrigen Nachforschungen in dieser Richtung anregen mußte. Leider sind alle diese Bemühungen wie sonstige Erkundigungen an Stellen, wo möglicherweise Erfolg in Aussicht war, vergeblich gewesen. Ich habe nirgends auch nur eine Andeutung von der angekündigten oder vollzogenen Uebersendung jenes wissenschaftlichen Schatzes, geschweige ein Stück aus diesem selbst gefunden und bin nunmehr zu der Ueberzeugung gekommen, daß nicht nur die Hoffnung, ihn jemals hier zu haben, aufgegeben werden muß, sondern auch, daß Frau Regierungsrat Gronau ihre Absicht, wenn sie diese auch wirklich gehabt hat, ihn der Lemgo'schen Stadtbehörde in Verwahrung zu übergeben, überhaupt nicht ausgeführt hat. Da sie damals (um 1850) eigentlich gar keine verwandtschaftlichen Beziehungen mehr nach Lemgo wiesen, ist es auch gar nicht wahrscheinlich, daß sie sich hierher gewandt haben sollte". 260