Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 3
- Article
- Christian Wilhem von Dohm
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 258 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Willy Cohn. Christian Wilhelm von Dohm „Das Geld, welches man in vielen Staaten auf Kolonisten verwendet, würde in manchen Fällen gewiß besser angelegt werden, wenn man für dasselbe einheimischen betriebsamen Juden kleine, noch unbebaute Stücke Landes und Wohnungen anwiese, und sie bei den ersten Auslagen für den Ackerbau unterstützte. Auch würde es zuträglich sein, den Geist dieser Beschäftigung bei der Nation von Neuem zu beleben, wenn man bei den jüdischen Pächtern oder Besitzern jüdischer Güter es zur Bedingung machte, daß sie dieselben mit einer gewissen Anzahl jüdischer Knechte bearbeiteten". In einer Reihe von Punkten faßt Dohm zum Schluß seine Forderungen zusammen. Es schwebte ihm die Erhaltung einer religiösen und nationalen Autonomie der Juden vor, vielleicht hat er schon erkannt, daß bei der Emanzipation der Juden nicht als Volk sondern als Individuen in erheblichem Umfang die Gefahr der Auflösung des Judentums bestand, und bei seiner Einstellung zum Judentum lag ihm ja nichts an dessen Vernichtung über den Weg der Befreiung, sondern an seiner Erhaltung. Das Erscheinen dieser Schrift erregte außerordentliches Aufsehen, und in einem zweiten Bande, der 1783 erschienen ist, setzte sich Dohm nunmehr mit der Beurteilung des ersten Teiles auseinander. Wir finden hier zunächst die Antwort auf die Bemerkungen von Johann David Michaelis, auf die wir schon hinwiesen, ferner Mendelssohns Antwort auf die Einwürfe von Michaelis, weiter die Beurteilung der Schrift „Manasse ben Israel: ,Rettung der Juden* nebst einer Vorrede von Moses Mendelssohn" durch eben diesen Michaelis und schließlich Gedanken des Predigers Schwager bei Lesung der 00111^- schen Schrift, sowie eine Fülle von Auszügen aus Briefen. Sodann setzt sich Dohm noch einmal mit den Problemen auseinander und unterstreicht die Ausführungen des ersten Teils. Vielleicht dürfen wir mit einigen Worten auf die Einwürfe von Michaelis eingehen, weil sie ja im Wesentlichen immer wieder aufgegriffen worden sind, wenn man sich gegen die Emanzipation der Juden aussprach. Michaelis fürchtete, daß die Juden ihren bürgerlichen Eid nicht halten würden und sah es als eine Benachteiligung an, wenn der jüdische Eid vor Gericht dem christlichen gleichgesetzt werden würde. Im Wesentlichen fußt Michaelis auf Eisenmengers: „Entdecktes Judentum". Schließlich glaubt Michaelis nicht, daß die Juden zu Kriegsdiensten brauchbar seien, und wenn sie dann bei Kriegsverlusten der übrigen Bürger selbst verschont werden, so würde ihre Zahl, gemessen an den anderen, ungebührlich wachsen. Den Einwendungen dieses Mannes gegenüber standen auf der anderen Seite auch außerordentlich viele Anerkennungen, so sei wenigstens die Besprechung in der Zugabe zu den Göttingischen Gelehrten-Anzeigen (48. Stück) 1787 erwähnt. Hier heißt es über die Dohm'sche Schrift, sie sei voll der lichtesten Bücke in das Wesen der Staatskunst, Gesetzgebung und der davon abhängenden bürgerlichen Glückseligkeit. „Man muß wünschen, daß die nachdrückliche Für- 258