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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 257

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 3
Article
Christian Wilhem von Dohm
Date
1929-01-01
Page
Seite 257 (sequence 3)
Language
German
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Willy Cohn. Christian Wilhelm von Dohm die Juden wohnen. Er stellt fest, daß fast überall die Gesetze darauf hinzielten, die Zahl der Juden sich nicht vermehren zu lassen. „In den meisten Ländern hat man sie nur unter den lästigsten Bedingungen nicht sowohl zu Bürgern als zu Einwohnern und Untertanen aufgenommen" 5). In allen seinen Erwerbsmöglichkeiten bleibt der Jude eingeschränkt. „Die erste der Beschäftigungen, der Ackerbau, ist ihnen allenthalben untersagt, und fast nirgends kann er in seinem Namen liegende Gründe eigentümlich besitzen. Jede Zunft würde sich entehrt glauben, wenn sie einen Beschnittenen zu ihrem Genossen aufnähme, und daher ist der Hebräer fast in allen Landen von den Handwerken und mechanischen Künsten ganz ausgeschlossen"G). Wenn auch mancher sich persönlich in die Höhe zu arbeiten in der Lage ist — bei der Niederschrift dieses Satzes dachte Dohm wohl in erster Reihe an Mendelssohn — „bei dem großen Haufen machen auch die ausgezeichnetsten Verdienste des Geistes und Herzens den Fehler nie verzeihlich, ein Jude zu sein"7). Dohm schildert nunmehr, wie den Juden in ihrer großen Masse keine andere Möglichkeit zum Leben bleibt als der Handel, aber auch dieser nur unter den schwersten Einschränkungen. Ihr Feld blieb der Einzelhandel im kleinsten Umfange und im wesentlichen die Geldverleihung. Die Verschiedenheit des Glaubens kann nach Dohm kein Grund sein, den Juden die Bürgerrechte zu verweigern. Im Gegenteil ist er der Meinung, daß die Verleihung dieser Rechte in dem Herzen des Juden eine große Dankbarkeit erzeugen würde. Er kommt sodann zu der wichtigen Feststellung, daß alles, was man den Juden vorwirft, durch die politische Verfassung bedingt ist, „und jede andere Menschengattung in dieselben Umstände versetzt, würde sich eben derselben Vergehungen schuldig machen". Auf der anderen Seite findet er warme Worte für die Beurteilung der sittlichen Zustände unter den Juden. „An keinem Orte fallen die Armen der Juden dem Staate zur Last. Sie werden allein von den Vermögenden versorgt, und die ganze Gemeinde nimmt sich der Angelegenheit des Einzelnen an. Das Glück des häuslichen Lebens scheinen die Juden mit mehr Einfachheit zu genießen, als es wenigstens in den großen Städten jetzt gewöhnlich ist. Sie sind meistens gute Ehemänner und Hausväter. Der Luxus ist bei ihnen noch lange nicht so weit gestiegen als bei den Christen von gleichem Vermögen. Der Ehestand ist bei ihnen unbefleckter, und die Vergehungen der Unkeuschheit, besonders die unnatürlichen Laster sind bei ihnen weit seltener". Auch Dohm erkannte schon, daß ein wesentliches Problem die Berufsumschichtung der Juden darstellt, und war der Meinung, daß der Staat bei mehreren Söhnen einen Druck in der Richtung ausüben sollte, daß wenigstens einer Handwerker werden sollte. Auch jüdische Bauern wollte Dohm wieder erblicken. 5) Dohm, über die bürgerliche Verbesserung der Juden a. a. O. S. 8. 6) Ebenda S. 10. 7) a.a.O. S. 10. 6* 257

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