Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 3
- Article
- Christian Wilhem von Dohm
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 256 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Willy Cohn. Christian Wilhelm von Dohm als dieser kaum einige Monate in Berlin gelebt hatte, an der Redaktion dieser Denkschrift teilzunehmen und insbesondere die Zusammenstellung der Tatsachen und die geschäftsmäßige einen erwünschten Eindruck versprechende Abfassung zu besorgen, wenigstens demjenigen, der zuletzt der Vorstellung das französische Gewand geben sollte, darin so vorzuarbeiten, daß wesentliche Aenderungen nicht mehr vorgenommen werden dürfen. Bei Dohm's Neigung zu gemeinnütziger möglichst weit greifender Wirksamkeit war ihm dieser Anlaß ganz erwünscht, um neue Ansichten in einer die Humanität und die Politik zugleich interessierenden Angelegenheit ausstellen zu können. In der Denkschrift ließen sich jedoch manche allgemeine Betrachtungen und die politisch-philosophischen Betrachtungen, auf welche die Sache leitete und deren Verbreitung in vielem Betracht nützlich und wichtig schien, nicht wohl ausführlich mitteilen, und so entstand dann ganz natürlich der Gedanke zur Ausarbeitung der vorgedachten besonderen Schrift, welcher jenes Memoire als Anhang beigefügt ist". Es ist selbstverständlich, daß Dohm wegen der Abfassung dieser Schrift verdächtigt wurde, von den Juden gekauft zu sein. Aber schon sein Gegner Johann David Michaelis*), der sich mit den Ausführungen Dohms durchaus nicht einverstanden erklärte, wies diese nichtswürdige Beschuldigung energisch zurück. Im allgemeinen darf wohl der Inhalt der Schrift, die dringend einer Neuauflage bedürfen würde, als bekannt vorausgesetzt werden. Aber vielleicht dürfte nichts besser jenen humanen Geist des 18. Jahrhunderts charakterisieren, von dem der Verfasser erfüllt war, als einige Sätze aus seiner „Vorerinnerung" mitzuteilen. Nachdem er über seine Absicht, die Resultate seiner Beschäftigung mit jüdischer Geschichte der Oeffentlichkeit mitzuteilen, gesprochen hatte, fährt er fort: „Dieses letztre zu tun, hätte ihn nicht sowohl der Gedanke, eine noch übrig gelassene nicht unwichtige Lücke der Geschichte auszufüllen, als seine Absicht bewogen, aus der unglücklichen Geschichte der Juden die Folge zu ziehn, daß die drückende Verfassung, in der sie noch izt in den meisten Staaten leben, nur ein Ueberbleibsel der unpolitischen und unmenschlichen Vorurteile der finstersten Jahrhunderte, also unwürdig sei, in unseren Zeiten fortzudauern. Wenn er aus der Geschichte gezeigt, wie die Juden nur deshalb als Menschen und Bürger, verderbt gewesen, weil man ihnen die Rechte beider versagt habe; so würde er mit desto mehrern Erfolg die Regierungen der Staaten ermuntern zu dürfen geglaubt haben, die Zahl ihrer guten Bürger dadurch zu vermehren, daß sie die Juden nicht mehr veranlassen schlechte zu sein". Bei der allgemeinen Unkenntnis, die über die jüdische Geschichte damals herrschte, muß Dohm seine Auseinandersetzungen erheblich breit anlegen, wie dies ja auch dem Stile des 18. Jahrhunderts entsprach. Seine Hauptvorwürfe richten sich gegen die Staaten, in denen *) Johann David Michaelis in der orientalischen und exegetischen Bibliothek, Frankfurt a. M. 1782. 256