Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 3
- Article
- Drei ungenannte Empfänger Mendelssohnscher Briefe
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 252 (sequence 8)
- Language
- German
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Bruno Strauß. Drei ungenannte Empfänger Mendelssohnscher Briefe erwählt hatte, eine Abschrift dieses Briefes nach dem Tode Mendelssohns an Marcus Herz gesandt habe. Er konnte sich aber an den Namen des Adressaten nicht mehr erinnern. Auch in dem eigenhändigen Concepte Mendelssohns, das die Herausgeber mitbenutzen konnten, fand sich weder Namen noch Datum. Für die Ermittelung des Datums bot immerhin der Umstand einen Anhaltspunkt, daß Winkopp in dem Briefe an Marcus Herz (vom 19. Februar 1786), mit dem er die Abschrift übersandte, versichern konnte, er selbst habe während seines Berliner Aufenthaltes die dem Briefe beiliegende Abhandlung ins Lateinische übersetzt12). Da nun Winkopp im letzten Viertel des Jahres 1780 in Berlin sich aufhielt, so glaubten die Herausgeber, den Brief frühestens in das Ende des Jahres 1780 setzen zu sollen. Ueber den Adressaten jedoch vermochten sie nichts auszumachen. Daß es sich freilich in dem Empfänger um keinen unbedeutenden und gleichgültigen Gelehrten handeln kann, erweist schon der Eingang des Briefes: Haben Sie — so heißt es da — den verbindlichsten Dank, bewundernswürdiger Mann, für die unerwartete Aufmerksamkeit, mit welcher Sie, mitten unter Ihren so wichtigen und der Menschheit so ersprießlichen Beschäftigungen, sich noch eines Wunsches erinnern, den ich in Ihrer Gegenwart geäußert, um ihn so angelegentlich zu befriedigen. Die schöne Schrift des Hrn. Hemsterhuys, welche ich Ihrer Güte zu verdanken habe, hat nunmehr in meinen Augen einen dreifachen Werth. Zu ihrem innerlichen, wesentlichen Werthe kommt hinzu, daß ich sie als unschätzbares Geschenk von dem Verfasser selbst, und als Denkmal von der herablassenden Gefälligkeit eines großen Mannes besitze, der diesen Namen nicht bloß von Seiten des Geistes, sondern auch von Seiten des Herzens verdienen, nicht bloß der Natur, sondern auch sich selbst zu verdanken haben will. Im weiteren Verlaufe des Briefes spricht Mendelssohn davon, daß er sich auch Hemste^huys, Aristee angeschafft habe, und geht etwas ausführlicher auf David Humes „Dialogues concerning natural religion" ein. Die Lektüre dieser Humeschen Schrift habe ihn, so berichtet er weiter, auf den Gedanken gebracht, „einen kurzen, logikalisch strengen Beweis aufzusetzen: daß dieses sichtbare Weltall nicht das vollkommenste Wesen seyn könne"; und da dieser Beweis auch einen Satz des Newton, „den Ihr Freund Hemsterhuys begünstigt", umzustoßen scheine, so bitte er sich darüber die Gedanken des Empfängers aus, wie er ihn auch bitte, seine Gründe „unserm Weltweisen" Hemsterhuys vorzulegen. Der „Beweis, daß weder die sinnliche Welt das göttliche Wesen, noch Zeit und Raum Eigenschaften Gottes seyn können", ist dann dem Briefe beigegeben. 12) Im Nachlasse Mendelssohns befindet sich ein bisher unbekannter Brief Winkopps an ihn vom 13. Oktober 1782 aus Treuenbriezen, der seine Uebersetzertätigkeit an der Abhandlung bestätigt. Es heißt da: „Nun besitze ich noch einen Brief von Ihnen, den Sie mir ins Lateinische zu übersetzen gaben, und den ich mir abschrieb. Er ist so viel ich mich entsinne an einen holländischen Gelehrten. Er enthält, was hier in der Beilage folgt . . ." 252