Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 3
- Article
- Drei ungenannte Empfänger Mendelssohnscher Briefe
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 251 (sequence 7)
- Language
- German
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Bruno Strauß. Drei ungenannte Empfänger Mendelssohnscher Briefe und im Anfang des Jahres 1765 sich in Berlin aufhielt, Mendelssohn gegenüber getan haben mochte, nachdem er ihm sicherlich auch „die Gaben seines Geistes" aus dessen Schriften nahegebracht hatte, mag er den fernen Freund veranlaßt haben, sich unmittelbar mit dem Berliner Weltweisen in Verbindung zu setzen. Was lag näher, als diesem eine philosophische Abhandlung zur Beurteilung zu unterbreiten? Zwar hatte diese Abhandlung nicht ihn selber zum Verfasser, denn er war kein Philosoph, sondern ein Dichter; in begreiflicher Schüchternheit schob er die Leistung eines Thorner Freundes vor, um zu einer Anknüpfung zu kommen. Wir freuen uns dieser Zurückhaltung, denn der Name des Herrn Hube, Johann Michael Hubes, eines geborenen Thorners, eines Mannes, der eine universale Schriftstellerei entfaltet hat, und später Direktor und Professor des Kgl. Kadettenkorps zu Warschau wurde10), gibt uns einen weiteren Beweis, daß der Adressat des Mendelssohnschen Briefes niemand anders als Willamov ist. Hube war einer seiner nächsten Freunde aus der Thorner Zeit. Gerade zur Ostermesse 1765 war in den „Zwo Oden von dem Verfasser der Dithyramben" eine Ode Willamovs „An Herrn Sekretär Hube in Thorn" erschienen. So läßt sich als der bisher ungenannte Empfänger des Mendelssohnschen Briefes nunmehr der Dithyrambendichter Willamov mit Sicherheit erweisen. Und es brauchte nicht mehr der weiteren Bestätigung, die darin liegt, daß vom 2. August desselben Jahres ein zweiter Brief Mendelssohns an Willamov, dieses Mal aber mit voller Adresse (auf der Preußischen Staatsbibliothek zu Berlin), sich erhalten hat11). Er setzt wiederum einen Brief Willamovs voraus, in dem man wohl die Antwort auf Mendelssohns ersten Brief vom 19. März 1765 sehen darf. Mendelssohns Worte lassen erkennen, daß ihm Willamov nunmehr ein eigenes Werk überschickt hat. Aber er geht nicht sehr gründlich darauf ein; er verspricht nur, bei müßigeren Stunden seine Gedanken darüber zu entwickeln. Das klang nicht sehr ermutigend für eine Fortführung der Correspondenz. In der Tat scheint mit diesen beiden wechselseitigen Briefpaaren aus dem Jahre 1765 der Verkehr zwischen den beiden Männern zugleich seinen Anfang genommen und sein Ende gefunden zu haben. 3. Ein Brief Mendelssohns, der hinsichtlich des Adressaten wie des Datums interessante Rätsel aufgibt, steht in dem Briefbande der Ges. Sehr, auf Seite576ff. unter derUeberschrift „Mendelssohn an einen holländischen Gelehrten". Die Herausgeber der Ausgabe bemerken dazu, daß Peter Adolph Winkopp, jener Erfurter Benediktinermönch, der sich Mendelssohn zum philosophischen Beichtvater und Ratgeber 10) Ueber Hube (1737 — 1807) vgl. Mensel Gel. Deutschi. 5. Ausg. 1797 Bd. 3, S. 434, sowie Nachtrag Bd. 11 (1805) S. 378 und Bd. 14 (1810) S. 196. u) Gedruckt von Geiger in der Allgem. Zeitung d. Judent. 1916, Nr. 39. 251