Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 3
- Article
- Drei ungenannte Empfänger Mendelssohnscher Briefe
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 250 (sequence 6)
- Language
- German
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Bruno Strauß. Drei ungenannte Empfänger Mendelssohnscher Briefe Krikende (geschrieben auch: Krickende oder Krüggende) Feldprediger im Kürassierregiment von Seydlitz. Ehe er aber zu dieser Stellung gelangte, hatte der als Sohn eines Kämmerers zu "Soldau Geborene in Königsberg Theologie studiert und war dann durch neun Jahre im Hause des durch seine Behandlung sozialwissenschaftlicher Probleme bahnbrechenden Propstes und Konsistorialrates Süß milch Hauslehrer gewesen. Der Aufenthalt in diesem Hause gab ihm Gelegenheit, eine große Zahl literarischer Berühmtheiten des damaligen Berlin7) kennen zu lernen. Und auf diese Weise kam er auch in freundschaftlichen Umgang mit Mendelssohn. Daß dieser freundschaftliche Verkehr auch noch über seine Berliner Zeit (1756—1765) hinaus sich erstreckte, wissen wir erst, seitdem Arthur Warda in den „Briefen von und an Johann George Scheffner" (München und Leipzig 1918) die überaus aufschlußreichen Briefe Krickendes an Scheffner bekannt gemacht hat. Hier zeigt sich eine Herzlichkeit des Umgangs, die uns sehr bedauern lassen muß, daß von den Briefen Mendelssohns an Krickende sich fast nichts8) erhalten hat. Aus den Berichten, die der geistig stark interessierte Hofmeister seinem ostpreußischen Landsmanne Scheffner aus Berlin erstattet, läßt sich deutlich erkennen, mit welcher Stärke des Freundschaftsempfindens der junge Theologe nicht allein die neu erworbenen Berliner Freunde, sondern nicht minder die alten Jugendfreunde aus der Königsberger Studienzeit umfing. Der intimste Freund aus jener Zeit aber war ihm der als Dithyrambendichter in der Literaturgeschichte des 18. Jahrhunderts bekannte Johann Gottlieb Willamov (1736—1777). Seit 1758 war dieser Theologe und Schriftsteller, der mit Herder den Geburtsort Mohrungen gemeinsam hat, Gymnasiallehrer in Thorn. Zwar fühlte er sich in zufriedenstellender Berufsarbeit dort ganz wohl, aber er mag doch wohl einen größeren Wirkungskreis angestrebt haben. Seine Freunde jedenfalls bemühten sich für ihn: so suchte der immer als Stellenvermittler für seine Freunde tätige Gleim ihm eine Professorenstelle in Braunschweig zu verschaffen, und Krickende sucht in immer erneutem Bemühen in Berlin unter anderem auch die Vermittlung Mendelssohns, um Willamov nach Berlin zu ziehen9). Im Zusammenhange solcher Bemühungen Krickendes für den Thorner Freund dürfte auch unser Brief stehen. Nachdem Krickende in häufigen Unterhaltungen dem offenbar schon damals nicht einflußlosen jüdischen Philosophen „die Eigenschaften des Herzens" seines Freundes Willamov gerühmt hatte, wie es vielleicht auch Gleim, der seit 1763 im Briefwechsel mit Willamov stand 7) Auch auf Reisen begleitete er die Familie. So lernte ihn Abbt z. B. im Juli 1764 in Pyrmont kennen (vgl. Abbts Vermischte Werke 3, 177). 8) Ein sehr inhaltsreicher Brief Mendelssohns an Krickende läßt sich aus dem Briefe Krickendes an Scheffner vom 13. Februar 1770 rekonstruieren. Vgl. auch Geiger in der Allgem. Ztg. d. Judent. 1920, S. 92 ff. 9) Vgl. z.B. Krickende an Scheffner 30. Sept. 1766: „Moses, der ehrliche Moses, hatte mir Hofnung gemacht, daß, da Miller nach Görtingen gienge, auf den Fall, daß man keine Rektores der Schulen aus Piemont oder der Piccardie kommen ließe, unser Willamov nach Berlin kommen würde. Wie hat er sich geirrt! . . ." 250