Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 249

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 3
Article
Drei ungenannte Empfänger Mendelssohnscher Briefe
Date
1929-01-01
Page
Seite 249 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2259275-2259276-2259280-2260016--2646-2260111
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Bruno Strauß. Drei ungenannte Empfänger Mendelssohnscher Briefe weise, die auf Schärfe systematischer Definitionen höchsten Wert legte, kam die Rede auf die Begriffe Enthusiast, Visionär und Fanatiker. Als Lynar die Erhellung, die ihm durch Mendelssohns Ausführungen geworden war, bei erneutem Durchdenken nicht festzuhalten vermochte, schrieb er ihm am 6. Februar 1775 den hier erstmalig abgedruckten Brief mit der Bitte um schriftliche Fixierung seiner Gedanken. Sechs Tage später, am 12. Februar 1775, hielt der philosophische Graf die Mendelssohnsche Abhandlung in Händen, die seinen Wünschen Genüge tat und die von jenem Briefe begleitet war, der bisher irrtümlich als an den Grafen Hoym gerichtet angesehen wurde. 2. Unter der Ueberschrift „Mendelssohn an einen Ungenannten" findet sich im 5. Bande der Ges. Sehr. Seite 440 ff. ein Brief Mendelssohns vom 19. März 1765. Sein Eingang lautet: Mein Herr! Eine der süßesten Belohnungen, die ich für meine geringe Bemühung in den Wissenschaften genieße, ist der Umgang mit den besten Köpfen Deutschlands, den ich zu erwerben das Glük gehabt. Jede neue Bekantschaft von dieser Art vermehret mein Vergnügen und meine Zufriedenheit, und ich bin dem Hrn. Krikende unendlich verbunden, daß er mir auch die Ihrige zu verschaffen die Gütigkeit gehabt. Die Gaben Ihres Geistes sind mir aus Ihren Schriften, und die Eigenschaften Ihres Herzens aus dem Berichte Ihrer Freunde von einer so rühmlichen Seite bekant, daß ich schon längst gewünscht, Ihres nähern Umgangs gewürdiget zu werden. Für die Mittheilung der gründlichen Abhandlung Ihres Freundes sage ich Ihnen hiermit den verbindlichsten Dank. Ich habe sie mit Aufmerksamkeit und vielem Vergnügen durchgelesen. Zum Beweise will ich mir die Freiheit nehmen einige kleine Anmerkungen herzusetzen, die ich beym Durchlesen gemacht, und der Entscheidung Ihres Freundes hiermit unterwerfe. Im weiteren Verlaufe des Briefes geht Mendelssohn auf die Abhandlung des Freundes, eines Herrn Hube, ein, die das Grundgesetz der Bewegung, daß alle Bewegungen, die in irgend einem Zeitpunkt in dem Universum zugleich vorhanden sind, zusammengenommen 0 sein müssen, aus der bloßen Idee von Zeit, Raum und Bewegung zu beweisen unternimmt. Wer ist der Ungenannte, an den dieser interessante Brief gerichtet ist? Den ersten Fingerzeig zur Ermittlung des unbekannten Adressaten bietet der Vermittler des Umganges zwischen Mendelssohn und dem „Ungenannten", der in dem Brief genannte Herr Krikende. Ueber diesen Ostpreußen Johann Samuel Krickende, der von 1733 bis 1797 lebte, ist in neuerer Zeit zum ersten Male wieder Genaueres bekannt geworden, als man seinen „Bericht über die Zusammenkunft Friedrichs des Großen und Joseph II. in Neiße 1769" veröffentlichte und als wichtige Urkunde eines Augenzeugen würdigte6). Damals war 6) Vgl. Gottlieb Krause, Der Bericht eines Augenzeugen über die Zusammenkunft Friedrichs des Großen und Josephs II. in Neiße 1769, Progr. des Altstädt. Gymnasiums in Königsberg i. Pr. 1902. 249

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.