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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 246

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 3
Article
Drei ungenannte Empfänger Mendelssohnscher Briefe
Date
1929-01-01
Page
Seite 246 (sequence 2)
Language
German
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Bruno Strauß. Drei ungenannte Empfänger Mendelssohnscher Briefe Daß dieser Brief, und damit auch die Abhandlung, nicht an den Grafen Hoym gerichtet sein können, ergibt sich schon aus der Anrede. „Hochgebohrner Graf!" konnte in den 70 er Jahren Mendelssohn einfach aus dem Grunde nicht an den Grafen Hoym schreiben, weil dieser damals noch kein Graf war. Erst Friedrich Wilhelm II. hat Hoym in den Grafenstand erhoben. Wie genau es Mendelssohn aber mit den Titulaturen nahm, richtiger vielleicht nehmen mußte, wissen wir aus mannigfachen Zeugnissenx). Weiter aber hätte schon den ersten Herausgeber wie erst recht Kayserling stutzig machen können ein anderer Brief Mendelssohns, der sich mit der gleichen Abhandlung beschäftigt und den bereits die Gesammelten Schriften (Ges. Sehr.) 1844 im 5. Bande auf Seite 534 f. abgedruckt hatten. Dieser Brief hat zum Empfänger den Grafen Wilhelm von Schaumburg-Lippe, den Mendelssohn im Sommer 1774 im Bade Pyrmont kennen gelernt und mit dem sich im Anschluß an diese Bekanntschaft eine rege Correspondenz entwickelt hatte. An ihn schickt Mendelssohn mit einem Briefe, den die Ges. Sehr, ganz richtig in die Zeit zwischen April und Juli 1775 setzen (er stammt, wie sich aus dem im Fürstlich Schaumburg-Lippischen Hausarchiv vorhandenen Original ergibt, vom 20. Mai 1775), einige philosophische Aufsätze. Von dem zweiten und dritten dieser Arbeiten, über die er gerne des Grafen Gedanken wüßte, heißt es da: „Der Graf von Lynar, der mir diesen Bogen [einen Aufsatz von Dr. Crusius über den Geisterbeschwörer Schröpfer enthaltend] mittheilte, ersuchte mich, meine Gedanken darüber zu Pappiere zu bringen, welches ich in dem kleinen Aufsatze II gethan. Bey dieser Gelegenheit fiel man auf die Bestimmung der drei Wörter Enthusiast, Visionair und Fanatiker, die etwas mehr als blos dem Grade nach unterschieden zu seyn scheinen. Ich wagte es in dem Aufsatze No. III, Erklärungen anzugeben, die, wo ich nicht irre, den Unterschied deutlich anzeigen, und von fruchtbaren Folgen sind." Daß es sich bei dieser Abschrift des Aufsatzes Nr. 3, die im Mai 1775 nach Bückeburg ging und sich noch heute dort befindet, um die gleiche Abhandlung handelt, die — nach der falschen Lesung des ersten Herausgebers — 1778 angeblich auf des Grafen Hoym Befehl entstanden war, sah Kayserling wohl, wie aus seiner Anmerkung Moses Mendelssohn 1. Aufl. S. 552 hervorgeht. Auch daß der Graf von Lynar als Anreger der Abhandlung in einer gewissen Idealkonkurrenz mit dem Grafen Hoym stehe, muß er dunkel gefühlt haben, denn in der zweiten Auflage seiner Biographie, Seite 436, steht in einer wahrhaft salomonischen Ausgleichung des kleinen Problems, die aber freilich sofort noch aufs neue durch eine Verwechslung des Aufsatzes Nr. II mit Aufsatz Nr. III verwirrt wird, der Satz: „Die Grafen Hoym und von Lynar ersuchten ihn, seine Gedanken darüber zu Papier zu bringen." Und so behielt der in manch anderer Beziehung um jüdische Dinge verdienstvolle schlesische Minister von x) So schreibt er etwa in einem (bisher ungedruckten) Briefe aus dem Anfang September 1777 an Nicolai: „Sagen Sie mir doch, wie man den Grafen von Dalberg, Statthalter zu Erfurth, tituliret, und wie man die Ueberschrift an denselben zu machen hat?" 246

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