Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 3
- Article
- Drei ungenannte Empfänger Mendelssohnscher Briefe
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 245 (sequence 1)
- Language
- German
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Drei ungenannte Empfänger Mendelssohnscher Briefe von Bruno Strauß 1. Hochgebohrner Graf! Gnädiger Herr! Als Ew. Excellenz die Frage auf warfen: durch welche philosophische Merkmale sich Enthusiast, Visionair und Fanatiker unterscheiden? hatte ich einen flüchtigen Einfall, der mir damals der Sache Genüge zu thun schien. Nunmehr aber (da ich ihn auf Ew. Excellenz Befehl, zu Pappiere bringen soll) finde ich die Idee viel zu schwankend, die Grenzen dieser Wörter genau zu bestimmen. Ich wage es, in beykommendem Aufsatze, die Begriffe etwas tiefer herauf zu holen, und gebe mir die Ehre solchen Ew. Excellenz gehorsamst zu überreichen. Ich bin mit ehrfurchtsvoller Hochachtung Ew. Excellenz unterthäniger Moses Mendelssohn. Berlin, d. 12. Febr. 1775. Aus dem Autographenschatz von Robert Weigelt (Breslau) hat Theodor Oelsner im Jahre 1858 in Robert Prutz' Deutschem Museum diesen Brief Mendelssohns zusammen mit dem in dem Briefe berührten Aufsatze über die Begriffe von „Enthusiast, Visionär, Fanatiker" veröffentlicht. Er gibt in dieser Publikation eine genaue Beschreibung des nach seiner Angabe vom 12. Februar 1778 datierten Briefes und fügt kurz und bündig hinzu: „Das vorliegende Schriftstuck hat Mendelssohn dem Grafen Hoym eingereicht, und an diesen ist der begleitende Brief gerichtet." Da er kein Wort zur Begründung hinzufügt, darf man wohl annehmen, daß die Sicherheit, mit der er seine Behauptung vorbringt, sich auf die schwache Bleistiftnotiz gründet, die auf dem Original des Briefes noch heute zu sehen ist und die lautet: An den Minister v. Hoym. Kayserling hat dann in der ersten Auflage seiner Mendelssohn-Biographie (1862) S. 551 ff. einen genauen Wiederabdruck der Oelsnerschen Publikation gegeben unter der Ueberschrift „Moses Mendelssohn an den Grafen Hoym". Die beiden zusammengehörigen Manuskripte, den Brief und die Abhandlung, hat ihr weiteres Schicksal verschiedene Wege geführt: der Brief befindet sich heute im Besitze des Herrn Paul von Mendelssohn-Bartholdy (Berlin), die Abhandlung dagegen ist in den Besitz der Preußischen Staatsbibliothek zu Berlin gelangt. 245