Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 3
- Article
- Mendelssohn und Mecklenburg
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 243 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Siegfried Silberstein. Mendelssohn und Mecklenburg erneuerte Vorstellungen an seine jüdischen Brüder, die so ganz gegen den Geist und die Vorschriften unserer Religion eingeführte Unsitte des zu schnellen Begrabens der Toten betreffend, gnädigster Aufmerksamkeit gewürdigt und die Abstellung der letzteren in „Höchstdero Landen" allergnädigst anbefohlen hat. „Dieses hohe Beispiel eines weisen und allgemein verehrten Fürsten wird die ausgebreitetsten Folgen für das Wohl eines beträchtlichen Theils der Menschheit haben, und die späteste Nachwelt wird hierin noch einen edlen Stein mehr in der glänzenden Krone der Tugenden bewundern, die Ihro Durchlaucht erhabenes Haupt umstralt. Die mehr als väterliche Milde, mit welcher Ihro Durchlaucht Höchst Dero allergnädigsten Befehl zu begleiten die hohe Gnade hatten, zeugt zugleich von der erhabenen Weisheit und der tiefen Menschenkenntnis des erlauchten Gesetzgebers, der in dem Widerstand der meisten Menschen gegen ihr eigenes Beste nicht alsbald Hartnäckigkeit und bösen Willen, sondern mehr die Verirrung und Vernachlässigung eines nicht genug gebildeten Geistes sieht, und der sich nicht bloß damit begnügt, seinen Unterthanen den Weg zum Guten vorzuzeichnen, sondern ihnen denselben so leicht als angenehm zu machen sucht. Wie sehr beglückt mich der Gedanke, daß auch Ihro Durchl. in Ansehung meiner armen Nation den Grundsatz anerkennen, daß sie weder ihre Religion noch eine vollendete Sitten- und Herzensverderbnis, wie so mancher uns unfreundlich erweise beschuldigen wollte, zum Guten durchaus unempfänglich, und also auf ewig unverbesserlich mache, sondern daß eine bessere und zweckmäßigere Behandlung sie auch zu bessern und nützlichem Bürgern machen würde; vorzüglich, wenn man auf die künftige Generation durch gute Erziehungs-Anstalten zu würken anfangen wird." Der Herzog antwortet ihm am 26. März 1794: „Ich habe das Dankschreiben, welches Sie, wegen der in Meinem Lande verfügten Abstellung des frühen Begrabens der Juden, an mich gelangen lassen wollen, wohl erhalten. Je mehr ich Vergnügen finde, etwas zum Wohl Ihrer Nation beizutragen, desto angenehmer ist es mir gewesen, daß ich durch Ihre gründlichen gegen diese schädliche Sitte an Ihre Mitbrüder gerichteten Vorstellungen, wofür sie Ihnen stets Dank schuldig bleiben, in Stand gesetzet worden bin, jene Abstellung mit Würksamkeit zu bewerkstelligen, und daß ich Ihnen bei dieser Gelegenheit sagen kann, wie ich jederzeit bin Ihr wohlgeneigter A. F. Die Antwort aus Berlin ergeht erst am 28. Februar 1795. Auf das Schreiben vom 20. Dezember 1793 hat das Ministerium sofort veranlaßt, daß die Berliner Juden-Aeltesten über das frühe Begraben der Todten ihrer Nation und die damit verknüpfte Gefahr, lebendig begraben zu werden, vernommen werden. Die Aeltesten haben erst das Gutachten10) des Ober-Land-Rabbiners erfordert und eingereicht, welches 10) Das Gutachten v. 9. Nov. 1794 ist von Geiger, Zeitschrift f. d. Gesch. d. Juden in Deutschland III. S. 218 ff. abgedruckt. 243