Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 3
- Article
- Mendelssohn und Mecklenburg
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 236 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Siegfried Silberstein. Mendelssohn und Mecklenburg aber nicht stellten, sondern ihn beschworen, seine Beredsamkeit und sein Ansehen dahin zu verwenden, daß der Landesherr seine Verordnungzurücknehme. „Darum ergeht der Ruf an Sie, daßNSie vermöge Ihres großen Wissens, welches viele und hohe Weisheit in sich schließt, die uns unzugänglich ist: vielleicht könnten Sie es fertig bringen, den Fürsten von seinem Vorhaben abzubringen. Das Rescript gründet sich darauf, daß es keine Vorschrift darüber im Gesetz Moses giebt. Die Worte Moses aber wurden nach der Ueberlieferung erklärt, welche für uns unerschütterlich feststeht von Geschlecht zu Geschlecht. Wer aber könnte angesichts einer solchen Tyrannei gegen die Materie gleichgültig bleiben. So mögen Sie doch eine Antwort ertheilen, die als Zaun dienen könnte für unsere Widersacher, die sich erdreisten aufzutreten gegen unsere berühmten erhabenen Männer. Es wird Ihnen dieses zum hohen Verdienst gereichen als huldvolle Handlung im Interesse der gebrochenen Herzen. Sie werden durch diese That alles Guten theilhaftig werden, welches aufbewahrt ist für die Gottesfürchtigen." Zu gleicher Zeit wenden sie sich an Jacob Hirschel nach Altona. Tychsen erhält darüber Nachrichten aus Altona am 31. Mai, jedenfalls vom Pastor Adler. Er berichtet davon an Cornelius: „Die Schwerinschen Juden haben einem gelehrten Juden in Altona Nahmens Jacob aufgetragen, ihre eilfertige Begrabung zu beweisen und zu rechtfertigen, welcher denn auch 2 Bogen voll entworfen und einen deutschen Extract davon an Serenissimum schon eingesandt hat, oder doch nächstens einsenden wird. Weil Herr Pastor Adler zu Altona von diesem Juden gebeten worden, aller seiner Einrede unerachtet, unter diesen Serenissimo vorzulegenden Extract folgende lächerliche Worte zu setzen: „Der Beylag, da ich Attestatum von die gelehrte Professores, wird sie überantworten an die gelehrte Professores", so kann schon daraus ein Schluß auf die übrigen Beweise gemacht werden. So wie ich aus seinem confusen und närrischen Aufsatz sehe; so bestehet sein Hauptbeweiß in diesem Schluß: Entweder stirbt der Mensch als ein Gerechter oder als ein Gottloser. Als Gerechter muß er geschwind zu seiner Ruhe d. i. zu Grabe gebracht werden. Als Gottloser könnte er freilich zur Strafe länger über der Erde bleiben. Weil aber der Mensch nicht eigentlich wissen kann, ob einer zeitig oder unselig gestorben sey, so thut man am besten, und geht auch den sichersten Weg, wenn man die Todten ohne Unterschied noch an demselben Tage ihres Absterbens begräbe. Ein einem Juden würdiger Schluß! Inzwischen wird dies wichtige Folgen vielleicht nach sich ziehen. Denn weil die Juden von christlichen Gelehrten Attestata und Approbationen ihrer Schrift, wie mir geschrieben worden, samlen wollen, welche aber, woferne sie sich nicht bestechen lassen, die Juden von ihren albernen Einfällen abzubringen suchen werden, so dürfte dieser mißlungene Versuch denen Juden die Augen öffnen, daß sie andere abgeschmackte Gebräuche und Erklärungen einsehen lernten. Der gedachte R. Jacob will mit nächster Post mir seine ganze Schrift, damit er große Ehre einzulegen hofft, zur Approbation senäen. In Wahrheit, er könnte sie an keinen rechtem Mann senden." (Tychsen 236