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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 227

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 3
Article
Das Bild Mendelssohns bei seinen Gegnern bis zum Tode Hegels
Date
1929-01-01
Page
Seite 227 (sequence 15)
Language
German
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Ludwig Feuchtwanger. Das Bild Mendelssohns bei seinen Gcsnern bis zum Tode Hegels abgerissen. Eine Verbindung mit ihr zum Judentum hat nie bestanden. Mendelssohn hat diese Wandlung nicht mitgemacht, er lebte „im Gesetz" und verteidigte das Gesetz. Nach dieser — hier nur skizzenhaft beschriebenen — Auffindung der geistigen Position Mendelssohns wäre es ein Leichtes, an Hand der Quellen den Gegensatz L a v a t e r - Mendelssohn und auch den (gegen die herrschende Ansicht) existierenden Grundkontrast Lessing-Mendelssohn näher darzustellen. Nach den tiefgehenden neueren Forschungen des Literarhistorikers Janentzky59) und des Theologen Wernle 60) über Lavater wird in der künftigen kritischen Mendelssohnausgabe das Bild Lavaters zu neuer überparteilicher Anschauung gebracht werden. Der Schlüssel zu Lessings Begriff der Religion im Gegensatz zu M. bleibt jene oben zitierte Hegelstelle61); ohne — allerdings negative — Ausrichtung auf die epochemachende Arbeit von Ernst Cassirer wird das Mendelssohn-Lessing-Problem nicht mehr gelöst werden können. J a c o b i s Lebensepochen, im Mittelpunkt der geistes-geschichtlich denkwürdige Mendelssohn-Jacobi-Streit, müßten an Hand des reichen Materials jetzt ganz neu dargestellt werden, was auch zu den großen Aufgaben jener Edition gehört. Es darf dann aber die sehr beträchtliche Glaubensphilosophie des philosophierenden Privatmannes von Pempelfort, der erst im Alter der Kathederphilosophie ebenbürtig wurde, nicht mehr weiter im Schatten der idealistischen Philosophie gehalten werden. Als literaturgeschichtliche Merkwürdigkeit und als philosophierender Dilettant zwischen Kant und Fichte verschwindend, ist Jacobi im 19. Jahrhundert, bis heute, nie nach seinem hohen Rang und seiner weiten Wirksamkeit eingeschätzt worden. Neben Hamann bleibt Jacobi der geistesmächtigste Antipode M/s, seine Ideen werfen auf M.'s geistige Gestalt den hellsten Reflex. Bleiben noch zwei in ihren Beziehungen zu M. bisher ganz unbeachtete ebenbürtige scharfe Gegner und große Verehrer M/s zugleich: Johannes von Müller und Johann Michael Sailer. Aus der Gegenüberstellung M/s mit jeden dieser beiden aufgeklärten Aufklärungsfeinde, zwei Persönlichkeiten größten Ausmaßes — wozu ein reiches noch auszuschöpfendes Material teilweise schon vorliegt, teilweise in einiger Zeit zusammengetragen sein wird — kann man sich eine Erhellung der irrationalen Seite der Gestalt M/s erwarten wie sie, nach einer ganz anderen Richtung nur noch von Hamanns und Herders Mißverständnis gekommen ist. Niemand in der an geistigen Größen so reichen Zeit, außer Herder und vielleicht noch Johann David Michaelis, dem Verfasser des „Mosaischen Rechts", war so bewegt von der Geschichte und Kultur der Juden, war ein so umfassender Kenner ihres vergangenen Wesens wie Johannes von Müller, der Universalhistoriker, der große Geschichtsschreiber der Deutschen in deren klassischem Zeitalter62). Er, der von Gundolf an historischer Einfühlung, an großem Sinn und darstellerischer Kraft neben Ranke gestellt wird, hat die Schriften M/s „als das vorzüglichste Muster deutscher Prosa" bezeichnet"3). Derselbe Mann hat aber gleich nach Erscheinen von 227

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