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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 218

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 3
Article
Das Bild Mendelssohns bei seinen Gegnern bis zum Tode Hegels
Date
1929-01-01
Page
Seite 218 (sequence 6)
Language
German
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Ludwig Feuchtwanger. Das Bild Mendelssohns bei seinen Gegnern bis zum Tode Hegels Mond- und Mondenwechsel unterworfen ist" den naiven selbstverständlichen „Realismus" seines Glaubens, die sichere Geschlossenheit seines Gesamtdaseins, die „Pollypraxie" seiner täglichen religiösen Handlungen mit der Unausweislichkeit logisch-mathematischer Evidenz zu umkleiden. Als Mendelssohn im „Jerusalem" diesen Versuch machte, war das Zeitalter der Aufklärung längst abgeklungen. Das Urteil Hegels, gelegentlich der Rezension von Hamanns Gesammelten Schriften, über die Berliner Aufklärung (Nicolai, Mendelssohn, Teller, Spalding, Zöllner)27) hat sich im Wechsel der Anschauungen eines Jahrhunderts als unumstößlich und tief begründet erwiesen, keineswegs als einseitige Auffassung des Kant-Hegerschen deutschen Idealismus, allerdings ohne jedes Verständnis des Juden M. Selbst mit der landläufigen Lessing-Mendelssohn-Legende hätte diese bis heute beste Beschreibung der europäischen geistigen Lage von 1750—1780 aufräumen müssen, wenn Hegels Kritik nicht als gelegentliche Rezension so gut wie außerhalb der Oeffentlichkeit erschienen wäre. „Lessing", heißt es da, „längst gleichgültig gegen das Berliner Treiben, lebte in Tiefen der Gelehrsamkeit wie in ganz anderen Tiefen des Geistes, als seine Freunde (gemeint ist Mendelssohn), die vertraut mit ihm zu seyn meinten, ahneten"28). , Eine geistesmächtige Opposition hatte schon um 1770 gesiegt, die souverän über die abstrakte Spekulation der natürlichen Religion in Theologie und Moral hinwegschritt und bis zu den Quellen des frommen Erlebens selbst vordrang. Gegenüber Herders „Aeltester Urkunde des Menschengeschlechts" (1774), seinem kurzen Traktat „Von der Ebräischen Elegie" (1781), und den beiden großen Büchern „Vom Geist der Ebräischen Poesie (1782/83) wirkt Mendelssohns philosophische Begründung des Judentums bis zum heutigen Tag blaß und schemenhaft. Die großen Errungenschaften der „Aufklärung", ihre geistigen Fundamente, die Leibniz und Locke, Hobbes und Spinoza errichtet hatten, blieben freilich unveräußerlicher europäischer Besitz. Mendelssohn und die Popularaufklärung um ihn herum haben diese Hauptideen jedoch nur in Kleingeld umgemünzt. Zu der sich gegen die Trivialisierung des Religiösen erhebenden Opposition gehörten die Besten der Zeit: Goethe, Herder, Hamann, Jacobi, Johannes von Müller. „Das Bedeutsame ist", sagt der neueste und beste Kenner der Zeit, Paul Wernle29), „daß die Führer dieser Opposition Männer von freiester, modernster Bildung, von unermeßlicher literarischer und geschichtlicher Belesenheit, von völliger Weltoffenheit waren, die, von dem reflektierten, künstlichen und moralistisch kleinlichen Wesen des Zeitgeistes unbefriedigt, zu den Quellen des Lebens strebten, um in voller Unmittelbarkeit und genialer Ursprünglichkeit alles Große, Tiefe und Göttliche auf sich wirken zu lassen". Der Führer der Aufklärungsgegner war Hamann. Gewiß bleibt „Golgatha und Scheblimini" an allgemeiner Spontanität, gedanklicher Schlagkraft und religiösem Ursinn dem religionspolitischen Traktat „Jerusalem" weit überlegen. Aber weder Hamanns noch Herders noch Jacobis Einfühlungsvermögen 218

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