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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 190

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 3
Article
Dem Andenken Moses Mendelssohns
Date
1929-01-01
Page
Seite 190 (sequence 14)
Language
German
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Reden bei der Mendelssohn-Feier in Dessau sagen, zwei Sprachen zu geben, die deutsche und die hebräische. Zunächst die deutsche, die gerade in seiner Zeit durch Basedow im Dessauer Philanthropin zum Gegenstand des Unterrichts gemacht wurde.1 In keiner anderen Frage trat der sonst so abgeklärte Weltweise so unerbittlich, so kriegerisch auf, wie in dieser. Er gehörte ja überhaupt zu den Vorkämpfern für einen reinen deutschen Sprachgebrauch und echt deutschen Stil und machte in seiner Kritik gegen die Verächter und Schänder der deutschen Sprache auch vor dem großen König nicht Halt. In der jüdischen Form der deutschen Sprache, die mit der Landessprache so eng verwandt und doch für die Masse der Landsleute unverständlich war, sah er einen schweren Mißstand, die Wurzeln zahlreicher sittlicher Uebel, und so setzte er sich für eine reine Sprache ein als Ausdruck eines reinen Hirns und eines gesunden Denkens. So hat er den Juden den Weg zu den deutschen Klassikern gewiesen und damit zur klassischen Bildung der Völker überhaupt. Aber auch die hebräische Sprache hat er den Juden wiedergewonnen. Er hat sie in ihrer Reinheit und Schönheit wieder gezeigt, wie ihre klassischen Vertreter sie handhabten, ehe die Schlacken einer Zeit geistigen Verfalls und der Unkultur sie entstellt hatten. Beider Sprachen Schönheit hat er in der Uebersetzung und der Erklärung der Fünf Bücher Moses und der Psalmen offenbart, die für ganze Generationen ein Lehrbuch der Sprache geworden ist und darin Luthers Uebersetzung verglichen werden kann. Seine Uebersetzung hat aber darüber hinaus die große kultur- und religionsgeschichtliche Bedeutung, daß sie die Bibel wieder in den Mittelpunkt des jüdischen Denkens und der jüdischen Lehre gestellt hat. Sie hat zur einfachen Auffassung des Bibelwortes in seiner Natürlichkeit und Lauterkeit zurückgeführt, hat mit einem kühnen Griff das ganze Spinngewebe von fünf Jahrhunderten beseitigt, hat die Bibel außer als Wort der Offenbarung auch als Werk der Kunst, als Schöpfung der Poesie betrachten gelehrt — und das nicht nur in Deutschland, sondern in allen Kulturländern, in denen Juden wohnten. Denn nun begannen die Juden überhaupt zu erkennen, daß die gewohnten Uebertragungen hinter der Erhabenheit des hebräischen Originals weit zurückblieben, daß es notwendig war, die Bibel in ihrer Schönheit und Schlichtheit wiederherzustellen. Man kann in der jüdischen Entwicklung das neunzehnte Jahrhundert das Jahrhundert der Bibelübersetzungen nennen, und von Mendelssohns Uebersetzungen hat es seinen Ausgang genommen. Dieser Siegeszug ist umso bemerkenswerter, als diese, wie das Neue zu allen Zeiten, von den Vertretern der Reaktion angefeindet und mit Unterdrückung bedroht wurde, bis diese Kreise selbst keine andere Möglichkeit sahen, als den gleichen Weg zu beschreiten. So hat Moses Mendelssohn den Juden ein reiches Erbe von Leistungen und Anregungen hinterlassen, die sie in eine ganz neue Entwicklungsbahn lenkten, und man hat ihn mit Recht als den Exponenten einer neuen Epoche der jüdischen Geschichte bezeichnet. Einer Epoche, die reich war an Stürmen und Kämpfen, an Krisen und Gefahren, die aber ausgefüllt war mit Leben und Bewegung. Sie hat den jüdischen 190

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