Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 3
- Article
- Dem Andenken Moses Mendelssohns
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 7)
- Language
- German
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Reden bei der Mendelssohn-Feier in Dessau liches Nervensystem aufs heftigste erregt; eine Erkältung trat hinzu, und am 4. Januar 1786 erlag der müde Körper dem dopppelten Angriffe nach einem Leben, das köstldch gewesen war durch Mühe und Arbeit! Auf dem alten jüdischen Friedhof in Berlin ruhen seine sterblichen Ueberreste. — Schon in seinen ersten Schriften, mehr aber noch bei der Mitarbeit an den Literaturbriefen offenbarte sich hell und leuchtend Moses Mendelssohns deutsche Sendung. Folgte er als Philosoph und im ganzen auch als Aesthet trotz vieler neuer Ideen, die er zutage gefördert hat, den großen Führern der deutschen und englischen Aufklärungsphilosophde, als Meister deutscher Prosa und als glänzender StiEst war er ganz ein Eigener. Grenzt es nicht ans Wunderbare, daß dieser Autodidakt, der aus dem Dessauer Ghetto kam, der sich erst iim Jünglingsalter ein reines Hochdeutsch durch eisernen Fleiß erkämpft hatte, kaum 10 Jahre später die deutsche Sprache, dies ebenso schwierige wie kostbare Ausdrucksmittel, mit so beispielloser Kraft und Eleganz zu handhaben vermochte! Er konnte es, weil er dm Deutschen — unzählige Male hat er dies! unterstrichen — seine „M u 11 e r s p r a c h e" liebte; im schneidenden; Gegensatze zu dem großen Preußenkönige, dessen höchster literarischer Ehrgeiz darin gipfelte, ein bewunderter französischer Schriftsteller zu werden und der das zynische Geständnis abgelegt hat: „Je parle Pallemand comme un cocher!" Gerade weil Mendelssohn mit so ungeheuchelter Bewunderung zu dem großen Preußenkönig als Feldherrn, Landesvater, Philosophen und Dichter aufblickte, hat er es doppelt schmerzlich empfunden, daß jener als deutscher Fürst undeutsch sprach und schrieb.. „Welcher Verlust" so ruft er in einer Kritik von Friedrichs französischen Gedichten bitter aus, „Welcher Verlust für unsere Muttersprache, daß sich dieser Fürst die französische Sprache geläufiger gemacht! Sie würde in diesen Dichtungen einen Schatz besitzen, um den ihre Nachbarn Ursache hätten, sie zu beneiden." Nicht minder schmerzlich war es ihm, daß eine so hoch veranlagte Persönlichkeit wie der Graf von der Lippe, der Förderer Abbt's und Herders, mit dem Mendelssohn später in nähere Berührung kam, sich lieber französisch als deutsch ausdrückte, weil er in jener Sprache zu Genf seine Geistesbildung empfangen hatte. Noch in der Erinnerung späterer Jahre klingt Mendelssohns Verdruß hierüber nach. Scharf und entschieden fordert Mendelssohn auch von seinen Glaubensgenossen, daß sie statt der jüdisch-deutschen Mundart, in der er eine Vermengung des Hebräischen mit dem Deutschen und damit einen Mißbrauch beider Sprachen sieht, ein reines Hochdeutsch sprechen sollten. Er selbst hat mit unablässigem Fleiße an sich und seinen Schriften gearbeitet und verlangte von jedem deutschen Schriftsteller Ehrfurcht vor dem Geist der deutschen Sprache geradezu als nationale Ehrensache. Manchen hat er wegen seiner Verstöße hiergegen unnach-i sichtig und herb getadelt. „Was muß," so grollt er einmal, „ein, Ausländer von uns denken, wenn ihm eine solche Schrift in die Hände 183