Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 3
- Article
- Dem Andenken Moses Mendelssohns
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Reden bei der Mendelssohn-Feier in Dessau söhn Rousseaus Abhandlung vom Ursprung der Ungleichheit unter den Menschen und veröffentlicht diese Arbeit mit einem kritischen Begleitschreiben. Dann wendet er sich zur Aesthetik, und die Frucht seiner in vielen 3eziehungen bahnbrechenden Arbeiten auf diesem neuen Felde sind die „Briefe über die Empfindungen", die Abhandlung „von den Quellen und Verbindungen der schönen Wissenschaften und Künste" und anderes. Wenn man bedenkt, daß Mendelssohn auch im Bernhardschen Geschäft nicht müßig war, daß er daneben zusammen mit seinem neugewonnenen Freunde Nicolai, dem Verleger und Führer der Berliner Aufklärung, griechischen Unterricht nahm und an der von Nicolai begründeten Bibliothek der schönen Wissenschaften und freien Künste eifrig mitarbeitete, daß er einen umfangreichen Briefwechsel mit seinen Freunden unterhielt — dann vermag man etwa ein Bild von dem riesigen Arbeitsgebiete zu gewinnen, das der Geist des nunmehr Dreißigjährigen umspannte, das nur eine weltoffene Seele gleich der seinen zu bewältigen vermochte. In den nächsten Jahren ist er gemeinsam mit Lessing Hauptmitarbeiter an der berühmt gewordenen Zeitschrift „Briefe, die neueste Literatur betreffend", die reinigend wie ein Gewitter wirkte. 1763 wird seine Arbeit „über die Evidenz in methaphysischen Wissen^ Schäften" von der Preußischen Akademie preisgekrönt; 1767 erscheint „Phädon" oder „über die Unsterblichkeit der Seele"; ein Buch, das Mendelssohns Weltruhm begründet hat und das in die meisten europäischen Sprachen übersetzt worden ist. So reiht sich Werk an Werk und noch immer trotz riesiger Leistung bei schwächlichem Körper kein Nachlassen der Schaffenskraft und der Lernbegierde! Mutig nimmt Mendelssohn im Jahre 1769 noch den Handschuh auf, den ihm Lavater zugeworfen hatte und beantwortet dessen taktlose öffentliche Aufforderung, entweder Bonnets „Beweise für das Christentum", ein heute so gut wie vergessenes Werk, zu widerlegen oder selbst zum Christentum überzutreten, in schlagender, vornehmer Weise. Lavater streckt beschämt die Waffen und bittet um Mendelssohns Freundschaft. Doch die Aufregung dieses Kampfes wirft Mendelssohn aufs Krankenbett; er muß seitdem seine schriftstellerische Tätigkeit stark einschränken. Es folgt eine Atempause, in der er nur kleinere Arbeiten herausgibt; doch Ende der 70er Jahre hält es ihn nicht länger; wir sehen ihn trotz allem wieder in vollster Wirksamkeit. Jetzt erscheinen schnell hintereinander — um nur ein paar bedeutendere Schriften herauszugreifen — die meisterhaften Uebersetzungen der Fünf Bücher Moses und der Psalmen, ferner „Jerusalem oder über religiöse Macht und Judentum", die „Morgenstunden oder Vorlesungen über das Dasein Gottes" und endlich die Schrift „Mendelssohn an die Freunde Lessings", in der Mendelssohn den Dahingeschiedenen gegen den von F. H. Jacobi erhobenen Vorwurf verteidigt, ein Anhänger der Weltanschauung Spinozas und Athedst gewesen zu sein. Als diese letzte Arbedt im Druck erschien, war Moses Mendelssohn bereits zu seinen Vätern versammelt. Die Angriffe Jacobis hatten — ähnlich wie seinerzeit Lavaters Herausforderung — sein schwäch- 182