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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-07-01 · Heft 2 (Juli 1929) · p. Seite 160

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 2 (Juli 1929)
Article
Jüdische Spitzenklöpplerinnen im Netzedistrikt
Date
1929-07-01
Page
Seite 160 (sequence 9)
Language
German
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Jacob Jacobson. Jüdische Spitzenklöpplerinnen im Netzedistrikt. gesehen waren. Es fanden sich unter den zur Ausweisung Bestimmten sehr viele Witwen und Waisen, die Ephraim Kantenklöppeln hatte erlernen lassen. Ihre Austreibung hätte größeren Schaden für ihn bedeutet und vor allem die Gefahr in sich geborgen, daß die von Ephraim vermittelte gute Arbeitsmethode nach Polen verpflanzt worden wäre. Ephraim wandte sich daher auf dem Wege über das Waisenhausdirektorium an das Generaldirektorium und setzte mit Sicherheit wenigstens soviel durch, daß der Ausweisungsbefehl sistiert wurde. Gerade für Flatow war Ephraim inzwischen zum wichtigen Arbeitsgeber geworden. Unter 653 Juden, die die offizielle Zählung des Jahres 1788 dort feststellte26), standen allein 287 im Dienste der Ephraimschen Fabrik. Außer in Flatow war Ephraim nunmehr (1790) noch in Chodziesen, Czarnikau, Deutsch-Krone, Filehne, Krojanke, Lobsens, Schloppe, Schneidemühl, Schönlanke, Tütz und Zempelburg vertreten26a), 27). Wie man sieht hatte der offenbare Nutzen, den Ephraims Unternehmen stiftete, allmählich auch die Gemeinden bezwungen, die urursprünglich sich ihm versagt hatten. Das Verdienstvolle der Ephraimschen Bemühungen wurde auch offen von der Kammerdeputation in Bromberg, der Land es Verwaltungsstelle des Netzedistrikts, zugegeben und rühmend anerkannt, daß er großen Teilen der jüdischen Bevölkerung Beschäftigung gäbe und sie vom Schacher abziehe. Die Intention seiner Denkschrift wurde tatsächlich zur Wirklichkeit. Die tüchtigen Klöpplerinnen kamen einigermaßen auf ihre Kosten. Sie konnten einen Wochenlohn von iy2—2 Talern erzielen und daneben noch ihren Haushalt wahrnehmen. In einzelnen Fällen waren die von ihnen hergestellten Kanten sogar von solcher Feinheit, daß sie ihnen an Lohn für eine einzige Elle 8—10 Taler einbrachten28). Der Sitz der feinsten Klöppelarbeit in Westpreußen waren die Städte Chodziesen und Filehne. In der Regel stellten die westpreußischen Klöpplerinnen aber nur mittlere und mindere Sorten her. Ihre Armut, welche die der Bewohner des Erzgebirges noch übertraf, stand der Erreichung besserer Resultate hindernd im Wege; denn es bedurfte mustergültiger Reinlichkeit und jahrelanger Ausdauer, bis man die nötige Kunstfertigkeit und damit auch die Anwartschaft auf ergiebigere Entlohnung erlangt hatte. So aber mußte man, um überhaupt etwas Greifbares in Händen zu haben, die Aussicht auf den höheren Gewinn 26) Holsche, S. 67. 26a) Chodziesen, 279 Juden — 28 Arbeiterinnen; Czarnikau, 205 J.; Deutsch- Krone, 469 J.; Filehne, 483 J. — ca. 220 A.; Krojanke, 170 J.; Lobsens, 283 J. — ca. 150 A.; Schloppe, 205 J., nur 3 Familien; Schneidemühl, 188 J. — ca. 130 A.; Schönlanke, 253 J. — ca. 60 A.; Tütz, 101 J.; Zempelburg, 622 J. — Einrichtung Oktober 1789, 72 A. 27) Die Angaben über die Arbeiterinnenzahl stammen aus den von den Magistraten mit den Juden selbst aufgenommenen Protokollen. Sind sie einigermaßen richtig, so scheinen sie mir indirekt einen Beweis dafür abzugeben, daß die Zahlen der offiziellen Bevölkerungsstatistik von 1788 wenigstens für die Juden nicht zutreffen können. 28) Bericht der Bromberger Kammerdeputation vom 19. 5. 1802. 160

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