Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 2 (Juli 1929)
- Article
- Jüdische Spitzenklöpplerinnen im Netzedistrikt
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 157 (sequence 6)
- Language
- German
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Jacob Jacobson. Jüdische Spitzenklöpplerinnen im Netzedistrikt über die Gründe der Ablehnung nicht mehr möglich. Vielleicht aber lag der ablehnenden Haltung die Furcht vor Ausbeutung zugrunde. Das Generaldirektorium war durch das Resultat der Umfrage nicht entmutigt, veranlaßte Ephraim vielmehr zu direkten Verhandlungen mit der Bromberger Kammerdeputation bezw. dem Steuerrat Schröter und sicherte ihm ausdrücklich seine Unterstützung zu. Auf dieser Grundlage scheint das Unternehmen auch in Gang gekommen zu sein. Aus dem zur Verfügung stehenden Material16) ist die Entwicklung des Ephraimschen Unternehmens nur sprunghaft zu verfolgen. Sicher ist, daß das westpreußische Departement Ephraims Vorhaben mit Wohlwollen verfolgte, und daß das Direktorium des Potsdamer Militärwaisenhauses lebhaft daran interessiert war. Bei Erneuerung des Kontraktes mit dem Waisenhaus, im Jahre 1783, wurde Ephraim ausdrücklich (§ 25) Unterstützung bei Anlegung neuer Klöppelschulen in Westpreußen zugesagt 16a). Der Ephraimsche Betrieb im Netzedistrikt litt unter der von Friedrich dem Großen bereits bei der Besitznahme ausgesprochenen Anweisung, daß die vermögenslosen Juden nicht den Schutz genießen, sondern „successive und ohne Ungestüm" aus dem Lande geschafft werden sollten17). Nur langsam bequemte sich die Beamtenschaft zur Durchführung des wiederholt angemahnten königl. Befehls. Ganz besonders für den Netzedistrikt erwies sich die Abstoßung des vermögenslosen Elements, der Betteljuden, und derer, die eine Mindestgrenze des zum Schutz berechtigten Vermögens nicht nachweisen konnten, nur mit Mühe als durchführbar18). Zu stark waren eben die Juden in das wirtschaftliche Leben des Distrikts verflochten, zu stark vor allem ihre Beteiligung im Handwerk, ja vielfach ihre Beherrschung dieser Erwerbszweige. Auch das verwickelte Schuldenwesen der Gemeinden mußte eine rasche gewaltsame Vertreibung großer Massen hintanhalten. Eine Verminderung von 11 000 auf 2000 Seelen, wie sie Friedrich dem Großen vorschwebte19), war unmöglich, aber vor dem ständigen Drängen des Königs mußte die passive Resistenz der Beamtenschaft 16) Diese Darstellung stützt sich auf das bereits oben zitierte Aktenstück: Generaldirektorium Westpreußen und Netzedistrikt, Materien Titl. XXXI Sect. 2 Nr. 17. Akta wegen der von dem Berliner Schutzjuden Benjamin Veitel Ephraim angesetzten Faktoressen im Netzedistrikt zum Unterricht der dasigen Judenweiber und Mägde in Klöppelarbeiten (1799—1805). Die Durchsicht von Generalakten und verwandten Akten war ergebnislos. Die im Berliner Geh. Staatsarchiv vorhandenen Spezialjudenakten ergaben auch nichts für das vorliegende Thema. Bär, S. 471. i6a) Das Direktorium des Militärwaisenhauses setzte sich sogar nach Erneuerung des Kontraktes im Jahre 1789 dafür ein, daß Ephraim die zwei verheirateten Buchhalter, die er als Entrepreneur des Waisenhauses in Potsdam ansetzen durfte, aber nicht angesetzt hatte, im Netzedistrikt unterbringen konnte. «) Bär, S. 422. «) Bär, S. 426 ff. «) Bär, S. 435. 157