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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-07-01 · Heft 2 (Juli 1929) · p. Seite 156

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 2 (Juli 1929)
Article
Jüdische Spitzenklöpplerinnen im Netzedistrikt
Date
1929-07-01
Page
Seite 156 (sequence 5)
Language
German
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.Jacob Jacobson. Jüdische Spitzenklöpplerinnen im Netzedistrikt Immerhin waren doch Ansätze vorhanden, und es bedurfte schließlich nur der Energie eines kapitalkräftigen, vom Staate geförderten Unternehmers, um diese Ansätze weiterzutreiben. Benjamin Veitel Ephraim, der sein persönliches kaufmännisches Interesse im Einklang wußte mit der merkantilistischen Grundtendenz der friderizianischen Wirtschaftspolitik, dem Reichtum und politischer Ehrgeiz weit hinaufreichende Verbindungen zugefügt hatten1*), konnte daher sehr wohl einen Versuch dieser Art wagen. Im Sommer des Jahres 1779 machte er denn auch dem westpreußischen Departement des Generaldirektoriums in Berlin das Anerbieten, in jeder Stadt des Netzedistrikts nach und nach eine Faktoresse (Gewerbelehrerin) anzustellen, alle Zutaten für die Klöppelei zu liefern und für eigene Rechnung gegen Bezahlung dort arbeiten zu lassen. Er verlangte nur eine Sicherung dagegen, daß die Klöpplerinnen die von ihm gestellten Materialien nicht veräußerten und nicht, wenn sie bei ihm angelernt seien, gleich wieder für andere arbeiteten. Das Departement in Berlin war mit diesem Angebot sehr zufrieden. Tis wies die Kammerdeputation in Bromberg an, die Juden in den Städten des Netzedistrikts darüber zu vernehmen, ob und unter welchen Bedingungen sie sich „die zu ihrem Besten offerierte Einrichtung gefallen lassen wollten." Der Kriegs- und Steuerrat Schröter, als Beauftragter der Bromberger Kammerdeputation, befragte die Judenschaf ten der Städte, in denen der Klöppelbetrieb bereits zu Hause war, außerdem die Juden von Flatow, Schneidemühl und Chodziesen. Die Juden von Flatow und Schneidemühl waren zur Uebernahme der Arbeit bereit, ebenso die von Czarnikau und Filehne. Letztere waren sogar mit der Konkurrenzklausel einverstanden unter der Voraussetzung, daß Ephraim den Lohn nicht zu sehr drücke. Einstimmig gegen Ephraims Vorschlag waren die Juden von Deutsch-Krone und Schönlanke. Auch Chodziesen lehnte ab. Da die Originale der mit den Juden aufgenommenen Protokolle — bis auf das von Chodziesen15) — nicht mehr bei den Akten liegen, und auch der von Ephraim entworfene detaillierte Plan für sein vorgeschlagenes Unternehmen nicht mehr vorliegt, ist ein sicheres Urteil 14) Ueber meine Verhaftung und einige andere Vorfälle meines Lebens von B. V. Ephraim, Kgl. Preuß. Geheimen Rath, Berlin 1807. Gedruckt auf Kosten des Verfassers; Kabinet Berlinischer Charaktere, Berlin 1808. Seite 37—45; Hermann Hüffer, Die Kabinetsregierung in Preußen und Johann Wilhelm Lombard, Leipzig 1891, S. 474—76. Hermann Granier, Berichte aus der Berliner Franzosenzeit (Publikationen a. d. Kgl. Preuß. Archiv., Bd. 88). Berlin 1913. S.71u.l05. B.V. E. wird in dem von Granier wiedergegebenen Zeitungsbericht der Immediatfriedensvollziehungskommission, der auch seinen in Wien vollzogenen Uebertritt zur katholischen Kirche meldet, fälschlich David Ephraim genannt. Die Meldung von der Taufe des D. E. trifft in Wirklichkeit für B. E. Ephraims Neffen David zu, der in der Taufe den Namen Johann Andreas Schmidt annahm und in Wien am 25. 3. 1835 gestorben ist, wie Landshuths Bearbeitung der Grabsteine des alten Berliner jüdischen Friedhofes (Manuskript der Gemeindebibliothek-Berlin) Nr. 636/756 angibt. 15) Unterschrieben von den Aeltesten: Levin Boas und Joseph Moses. 156

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