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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-07-01 · Heft 2 (Juli 1929) · p. Seite 153

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 2 (Juli 1929)
Article
Jüdische Spitzenklöpplerinnen im Netzedistrikt
Date
1929-07-01
Page
Seite 153 (sequence 2)
Language
German
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Jacob Jacobson. Jüdische Spitzenklöpplerinnen im Netzedistrikt. Entreprise". Die Unternehmer waren der Hofjuwelier Veitel Heine Ephraim5) — berühmt geworden durch seine Münzoperationen — und sein Schwager Gumpertz. Das Unternehmen, das Monopolcharakter hatte, kam jetzt dank der geschäftlichen Tüchtigkeit und der Kapitalkraft der Unternehmer gut voran. Allerdings wurde auch die Arbeitskraft der 200 Waisenmädchen, die in der „Brabantischen Kantenfabrik" arbeiteten und zu siebenjähriger Lehrzeit verpflichtet waren, nach der Gepflogenheit der Zeit unbedenklich ausgenützt6). Schon wenige Jahre nach der Uebernahme durch Ephraim und Gumpertz erwies sich die Errichtung eines neuen Gebäudes mit acht Arbeitssälen, des sog. Kantenhauses (gegenüber dem Knabenwaisenhause in der Lindenstraße), als notwendig. Ephraims günstige Bedingungen und Erfolge riefen noch ein ganzes Heer jüdischer und christlicher Unternehmer mit Angeboten ähnlicher Art auf den Plan, doch fast alle erfuhren eine Ablehnung7). Da die Fabrik offensichtlich gedieh und vom König begünstigt wurde, erfolgte 1763 eine Erneuerung des Vertrages — diesmal nur mit Ephraim allein. Gleichzeitig wurde die Fabrikation der feinen Gold- und Silberspitzen aufgenommen. Das hing wohl unmittelbar damit zusammen, daß im selben Jahre die Firma Ephraim und Söhne auch ein anderes Unternehmen des Waisenhauses, die in Berlin angelegte „Gold- und Silbermanufaktur" übernommen hatte8). 1774 übernahm Ephraim's Sohn Benjamin Veitel 5) Jüdisches Lexikon, begründet von Dr. Georg Herlitz und Dr. Bruno Kirschner .Bd. II. Berlin 1928. Seite 428/29. 6) Ursprünglich betrug die Arbeitszeit 9 Stunden täglich, 1763 — bei Erneuerung des Kontraktes — wurde sie auf 29 Stunden herabgesetzt, 1769 trat wieder eine Erhöhung auf 37 Stunden ein, 1772—1780 betrug sie 35 Stunden, von da bis 1795 aber 331/2. 7) MiHtärwaisenhaus 117 ff. „Die offerirten Bedingungen waren wie aus einer Form gegossen und liefen dahin aus: Das Waisenhaus gibt die Kinder vmd die Unterhaltungskosten her; die Entrepreneurs wollen dagegen aus Patriotismus die Kinder ohne weiteres Gehalt als etwa freie Wohnung und Holz mit der betreffenden Kunstfertigkeit versehen." Unter den Angeboten sind folgende von jüdischen Unternehmern: 1749 Schutz jude Bacharach für geplante Strumpf-, Handschuh- und Mützenfabrik, 1750 Michael Hirsch für seine Baumwollen-, Wollen- und Leinenzeugfabrik, 1763 Schutzjude Isaac Joel für seine Tapetenfabrik in Glienicke; 1770 Schutzjude Felix für eine Fabrik unechter goldener und silberner Tressen, 1776 Moses Meyer für Blonden- und Mignonettenfabrik; 1779 wollte der jüdische Buchhändler und Buchdrucker Salomon Proops aus Amsterdam eine jüdische Buchdruckerei zum Besten der Anstalt im Waisenhaus anlegen. In dieser Angelegenheit erstattete Moses Mendelssohn ein Gutachten, das beweist, „daß er ebenso klar und bündig einen Geschäftsbericht, als eine philosophische Deduktion zu machen verstand". Dies Gutachten war nicht mehr aufzufinden und ist nach Auskunft des H. Dir. d. Postd. Gr. Waisenh. v. 8.12.1928 wohl leider als verloren zu betrachten. 8) Militärwaisenhaus S. 442 ff. 274 Fr. Nicolai: Beschreibung der Königl. Residenzstädte Berlin und Potsdam. 1786, S. 530 ff; Acta Borussica, Die Preußische Seidenindustrie im 18. Jahrhundert und ihre Begründung durch Friedrich den Großen. Berlin 1892, Bd. I S. 77, Bd. III S. 258. 5« 153

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