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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-07-01 · Heft 2 (Juli 1929) · p. Seite 152

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 2 (Juli 1929)
Article
Jüdische Spitzenklöpplerinnen im Netzedistrikt
Date
1929-07-01
Page
Seite 152 (sequence 1)
Language
German
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Jüdische Spitzenklöpplerinnen im Netzedistrikt von Jacob Jacobson Als Friedrich Wilhelm I. im Jahre 1724 das Militärwaisenhaus in Potsdam gründete, war er vorsorglich darauf bedacht, ihm die nötigen Einkünfte zu sichern, und auch späterhin blieb er bemüht, der ständig wachsenden Anstalt neue Einnahmen zuzuführen. So wurden z. B. noch 1739 dem Waisenhaus die Rekrutengelder der Juden und die Gebühren für Erlangung ihrer Trauscheine zugewiesen, also Abgaben, deren nicht unerhebliche Erträgnisse bis 1812, bis zum Erlaß des Emanzipationsedikts, vorhielten2). Unter Friedrich dem Großen nahm die Zahl der Waisenkinder weiter zu, sie erreichte nach mancherlei Schwankungen 1772 den Höhepunkt mit mehr als 2000s). Diese Vermehrung in Verbindung mit der verbesserten inneren Ausgestaltung des Waisenhauses machte die Erschließung immer neuer Hilfsquellen sowie neuer Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten für die Waisenhauszöglinge — Knaben und Mädchen — zur unabweislichen Notwendigkeit. Es wurde daher freudig zugegriffen, als im Jahre 1743 eine Lieutenantswitwe, Frau du Vigneau, mit dem Anerbieten hervortrat, die Klöppelei von Brabanter Kanten (Spitzen) mit Hilfe der Potsdamer Waisenmädchen in den preußischen Staaten heimisch zu machen *). Bot sich ja auf diese Weise zugleich die Möglichkeit, einen nicht unwichtigen Zweig der Textilindustrie aus der vollen Abhängigkeit vom Ausland zu lösen. Die geplante Fabrikation wurde also unter direkter Regie des Waisenhauses aufgenommen. Allein unter der Leitung der wenig verläßlichen Frau kam sie trotz großen Kostenaufwandes nicht vorwärts. Man entschloß sich daher, die enge Verbindung zwischen dem Waisenhaus und dem Betrieb der Kantenklöppelei etwas zu lockern und gab die Fabrikation Ende 1749 „in x) Geschichte des Königlichen Potsdamschen Militärwaisenhauses von seiner Entstehung bis auf die jetzige Zeit. Herausgegeben zur hundertjährigen Stiftungsfeier der Anstalt im November 1824. Berlin und Posen 1824 (Militärwaisenhaus), S. 71: 1724 ca. 500, 1740 ca. 1400 Knaben; 1728 ca. 40, 1740 ca. 150 Mädchen. 2) Miütärwaisenhaus S. 447 f. (I. B. König) Annalen der Juden in den preußischen Staaten, Berlin 1790> S. 274. 3) Miütärwaisenhaus S. 340. *) Für das Folgende: Miütärwaisenhaus passim, besonders 393 ff. Werner Schmidt-Gaster, das „Kanterhaus" zu Potsdam, Spitzenklöppelei vor 175 Jahren. Deutsche Allgemeine Zeitung 1924 Nr. 589 vom 14. 12. 1924. 152

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