Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 2 (Juli 1929)
- Article
- Wer sind die Prager Munk im 16. Jahrhundert?
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 149 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2259275-2259276-2259279-2259852--2506-2259963- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Bernhard Wachstein. Wer sind die Präger Münk im 16. Jahrhundert? die den Besitzern des Familienprivilegs nahegingen. In diesem Sinne könnten, wenn auch nicht mit diesem Grade der Wahrscheinlichkeit, die Vorfälle von 1533 gedeutet werden, die der Kammer Anlaß zum Verdachte gegen Munka gaben. Einen wichtigen Anhaltspunkt gewährt uns Nr. 413, S. 293 ex 23/4 1534. König Ferdinand befiehlt den Judenältesten, den Sei ig mann, einen Bruder Munkos, derzeit (nämlich der letztere) ein Aeltester, in Strafe zu nehmen, weil er den Rabbi Hassias (Josua Altschul?) geschlagen. Die Streitigkeiten dauerten ja nach Joselmanns Bericht längere Zeit und nahmen scharfe Formen an. Als einen Mann, der den Stolz und das Temperament seines Geschlechtes zeigt, lernen wir ihn unter dem Namen Stastny (Selig) ') Munka kennen. In einem Streite mit einem christlichen Gegner wagte er es seinem Partner zuzurufen, daß er ebensogut sei wie der Christ. Der Rat der Stadt Prag war nicht dieser Meinung und entschied prinzipiell, daß die Juden nicht zum bürgerlichen Stande zu zählen seien (Nr. 1261, S. 985 ex 16. Juli 1535; vgl. auch Brülls Monatsblätter 1895 S. 104). Ob er mit Stastny Horowsky im Geleitbrief ex 1544, S. 349, identisch ist, wage ich nicht zu behaupten. Einen Seligman Horowitz, der 1560 bereits verstorben war, finden wir bei Hock S. 90. Ich will nun aus dem Material bei B ondy-Dworsky noch einige Glieder der Familie Münk nennen, deren Vornamen sich oft in den Familien Horowitz und Theomim wiederholen: Jakob Jesaias Münk im Verzeichnis der Vergleiteten (S. 379) ex 1546. Sein Familienstand wird angegeben: Rosa [Frau], Salomon eine Waise nach seiner Schwester Rosa, Moses, Sohn des alten Munka. Der Name Jakob Jesaias ist zu deuten, daß sein Träger ein Sohn des Jesaia, also Bruder des damals bereits verstorbenen Zalman Münk war, dessen Sohn Moses er in seinen Schutz aufnahm. Moses Münk ist uns als Sohn des Zalman aus Ghetto S. 135 bekannt. Er erscheint als Erbe Zalmans im Hausbesitz. Seine Hinterlassenschaft übertrug er aus irgendeiner Ursache zum Schein an den Arzt Meier, die er 1556 wieder an sich brachte. Es ist demnach begreiflich, daß der vermögenslose Mann in der Liste des kinderlosen Onkels figuriert. 1559 erscheint er jedoch unter eigenem Namen in der Liste der Vergleiteten (Nr. 602, Anhang, S. 441). *) In Kobez al Jad, Mekize Nirdarnim XIX, Berlin 1903, S. 79 veröffentlicht A. Berliner aus einem Ex. der Königsberger Universitätsbibliothek und danach gekürzt B. F riedeberg, Tol'doth Misdipadiatb Horowitz das Kolophon zum Buche Exodus der in Prag 1514—1517 erschienenen Pentateuchausgabe, an welcher Jesaia Horowitz, der Vater des Salman, finanziell beteiligt war. Der Vater des Jesaia führte nach dieser Quelle den Namen H TP Ö Eine Nachprüfung wäre erwünscht, da auf Tafel I. der Prager Drucke (ex 1512) Die Juden in Prag (LIEBEN, Der hebr. Buchdruck in Prag) rechts oben zu lesen ist (iTJW)? Unser Seligmann wäre dann der Namensträger seines Großvaters. Allerdings ist auch ein Moses Munka nachweisbar, von dem bald die Rede sein soll. 149