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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-07-01 · Heft 2 (Juli 1929) · p. Seite 142

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 2 (Juli 1929)
Article
Wer sind die Prager Munk im 16. Jahrhundert?
Date
1929-07-01
Page
Seite 142 (sequence 2)
Language
German
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Bernhard Wachstein. Wer sind die Präger Münk im 16. Jahrhundert? Wer aber sind diese? Daß Menschen in führender Stellung gar keine Spur in ihrer eigenen Gemeinschaft zurückließen, ist schwer anzunehmen. Es muß versucht werden, sie in den jüdischen Quellen zu erkennen, um so durch die beiderseitigen Mitteilungen ein möglichst treues Bild ihrer Art zu gewinnen. Ich muß sagen, daß mich in dieser Frage mehr das Historische als das Geneaologische interessiert. Schon ein flüchtiger Blick in das bei Bondy-Dworsky, Zur Geschichte der Juden in Böhmen, etc. die Münk (Munka) betreffende Material genügt, um diese als typische Menschen ihrer Zeit zu erkennen. Ich meine nicht, daß irgendwelche in einer Zeit sich abspielenden Vorgänge neue Naturen zu schaffen vermögen, aber die Vorgänge verursachen Lebensäußerungen, die nur durch diese hervorgerufen werden konnten und so immerhin als Neuschöpfungen dieser Zeit zu werten sind. Das 16. Jahrhundert ist wohl nicht das blutigste, aber doch das qualvollste in der Leidensgeschichte der Juden. Die tägliche Unsicherheit des Lebens, die ununterbrochen angedrohten und zum Teil auch ausgeführten Vertreibungen, die rücksichtslose Aussaugung seitens der vielen Beschützer kennzeichnen die ersten zwei Drittel dieses Jahrhunderts. Das einzige Mittel, das Schicksal zu mildern, war das Geld. Es galt nun, soviel als möglich davon zusammenzuraffen und, mit List und Klugheit, die Gewogenheit jener Herren zu erkaufen, die am nächsten waren und deshalb auch den größten Einfluß besaßen. Daß die Besitzer der Geldmittel eine große Stellung in ihrer eigenen Mitte besaßen, ist leicht einzusehen. Aber sie wußten sich auch diese, wenn sie ihnen nicht gutwillig eingeräumt wurde, mit Gewalt, die dieser Zeit eigen war, zu erobern. Der Unfriede von außen spiegelt sich im eigenen Lager wieder. Bis zu einem gewissen Grade konnten sich diese Kreise als die Führer ansehen, da ja nur sie den Zutritt zu den Mächtigen hatten und nur ihretwillen die anderen geduldet wurden. Andererseits konnte ihnen auch der von gierigen Augen scharf beobachtete Besitz zum Verhängnis werden. Da aber vornehmlich in diesen höheren sozialen Schichten die jüdische Gelehrsamkeit, als die Grundsäule der von aller Welt angefeindeten Glaubensgemeinschaft, die eifrigste Pflege fand, konnte es nicht fehlen, daß gerade aus ihrer Mitte Männer erwuchsen, die aus tiefstem ethischen Empfinden heraus — ich greife schon meiner Lösung zuvor — diese eitle Ruhmessucht aufs schärfste geißelten. Wie in den Werken dieser Männer die Sucht nach dem Kabod ha-Medumma (Ehrsucht) bis in die feinsten Details analysiert wird, könnte auch einem modernen Seelenforscher Ehre machen. Als Takifim von diesem Typ, weltlich orientiert, Gewalt und Willensmenschen und gleichzeitig von tiefer Frömmigkeit ergriffen, erscheinen uns die Träger des Namens Munka in Prag. Eine kurze, dem vorgesetzten Zwecke entsprechende Zusammenstellung aus Bondy-Dworsky mit Hinzufügung von Daten aus Teige, Ein Rundgang um die Judenstadt, Topographische Studien, in Das Prager Ghetto S. 107 ff. (im folgenden: Ghetto mit Seitenzahl citiert) soll uns die Familie Munka vorführen und daran wird die Lösung angeschlossen. 142

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