Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 2 (Juli 1929)
- Article
- Wer sind die Prager Munk im 16. Jahrhundert?
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 141 (sequence 1)
- Language
- German
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Wer sind die Prager Münk im 16. Jahrhundert? von Bernhard Wachstein Die Münk in Prager und Wiener nichtjüdischen Quellen, vom letzten Drittel des 16. Jahrhunderts bis zum Zeitpunkte der Vertreibung der Juden aus Wien im Jahre 1670, wurden von mir anderen Orts1) als Mitglieder der bekannten Gelehrtenfamilie Theomim festgestellt. Die Feststellung bezog sich auf Moses Ahron Theomim in Prag und dessen Nachkommenschaft in Prag und Wien. Die gewonnene Gleichung: Theomim in jüdischen Quellen Münk in nichtjüdischen ist jedoch nicht so zu verstehen, daß auch die Umkehrung dieselbe Gleichung ergebe. Der Name ging nicht nur auf die direkten männlichen Nachkommen Moses Ahron Theomims, sondern auch auf diejenigen über, die durch Heirat der Töchter in den Familienkreis eintraten. Dies muß besonders beachtet werden, wenn man die Münk im 18. Jahrhundert und darüber hinaus genealogisch erfassen will. Der Name Münk hat nämlich in dieser Zeit den Weg auch in jüdische Kreise gefunden und die Ursprungsnamen verdrängt. Die Frage der genealogischen Bestimmung beginnt nun schon bei der jüdischen Quelle selbst. Während beispielsweise die Münk in Glogau der Familie Theomim entstammen (s. Brann, die Identität der. Familie Theomim und Münk, MGWJ, 1911, S. 349—357), trifft man in Mähren Träger des Namens Münk der zweiten Kategorie an. Ein solcher Fall, wie der Name Münk den alten und sogar berühmten Namen bei der eigenen Nachkommenschaft in Vergessenheit brachte, wird von mir in der Studie: „Ein aufgefundener hebräischer Index zum Grundbuch der Judenstadt in Wien", in der Chajes-Gedenkschrift (unter der Presse) besprochen. Im folgenden soll nun die Frage behandelt werden, wer denn die Münk sind, die in der Zeit vor Moses Ahron Theomim in Prag auftraten und dort eine namhafte Rolle spielten. Ist der Name Münk in der Familie Theomim autochthon oder ist er auch hier ein auf dem Wege der Verschwägerung entlehnter? Ein Versuch, die Aszendenz des Moses Ahron Theomim in Prag zu ermitteln, um eine Grundlage zur Lösung der Frage zu gewinnen, erweist sich als fruchtlos, da die Familie Theomim in Prag erst mit Moses Ahron Theomim selbst beginnt. Man wird demnach nicht fehlgehen, die in Prag in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts auftretenden Münk als diejenigen anzusehen, denen Moses Ahron Theomim den Namen Münk entlehnt hat. *) Jüdische Privatbriefe, Inschriften des alten Jadenfriedhofes in Wien. I. s. v. Theomim, Jahrb. d. jüd.-lit. Ges. in Frankfurt a. M. XVI. 1924, S. 165 ff. 141