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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-07-01 · Heft 2 (Juli 1929) · p. Seite 139

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 2 (Juli 1929)
Article
Eine Schmähschrift auf den Berliner Hofjuden Israel Aron 1673
Date
1929-07-01
Page
Seite 139 (sequence 4)
Language
German
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Moritz Stern. Eine Schmähschrift auf den Berliner Hofjuden Israel Aron 1673. Zwar er ernehrte sich von andrer Leute Schaden, Jetzt nehrt sein dürrer Leib die Schlangen, Würm und Maden. Pflantzt Knoblauch auf das Grab, holt Lorbern aus dem Stall, Der alten Säue Trapp begruntze seinen Fall. Mein Leser, wilstu nicht viel Thränen hier vergießen, So laß doch ohn Beschwer was11) Hosen Waßer fließen Und salbe diesen Leib mit Hundesbalsam ein. Merck aber diese Lehr, das Jüden Schelme seyn. Mortuus est 8. Nov. 1673. Die Schmähschrift besteht aus zwei Teilen: 1. Auszug aus Israel Arons Testament, 2. Israel Arons Grabschrift. Beide sind fingiert. Als Notar des Testaments wird der Kammerschreiber Johann Friedrich Stifelius12) genannt. Wir bekommen nicht das ganze Testament, sondern nur einen Auszug von 12 Paragraphen zu lesen. Zum Testamentsvollstrecker ist die Brandenburgische Amtskammer eingesetzt. Spott und Hohn ergießt sich über die Beschenkten. Es erhalten: 1. Der Kurfürst: die Verpflichtung, Israels Schulden zu bezahlen. 2. Die Amtskammer und der Schloßhauptmann: Magenpulver. 3. Oberhofmarschall v. Canitz: Israels Fuchsmütze. '4. Amtskammerpräsident Raban v. Canstein: Israels Brustlatz. 5. Vicekammerpräsident Otto v. Groth: Israels spanischen Mantel. 6. Amtskammerrat Peter Battier: Israels Pferd. 7. Die Amtsschreiber, Beamten und Arrendatoren: einige Tonnen Honig. 8. Amtskammerschreiber Joachim Schulze: Israels alte Karosse. 9. Alle Gläubiger: Hofsalbe Geduld. 10. Gläubiger Georg Baltzer Faust: Israels tägliche Schuhe, die an den Gläubiger Christian Frantz weiter zu vererben sind. 11. Frau Carlischen: Israels geflickte Hosen. 12. Rabbi Baruch Levi von Wien: Israels letzten Stuhlgang. Von irgenwelchem brauchbaren Wert ist nur das Pferd, das Battier vermacht wird. Dieser war bereits 1671 mit Hinterlassung von 15 000 Talern Schulden nach Holland geflüchtet13). § 6 rät ihm, mit dem Pferde nach Portugal zu reisen. Die anderen Erben werden mit wertlosen Dingen bedacht. Aus den damit verbundenen ironischen Anspielungen geht Folgendes hervor: 1. Israel Aron ist verschuldet gestorben. Der Kurfürst solle die Schulden bezahlen. Er könne sich dafür an die Kinder Israels halten. Im Notfalle wird ihm empfohlen, sich durch deren Erziehung zu entschädigen (§ 1)! Die Gläubiger erhalten als Erbschaft: Geduld. Dieses Abwarten wird als „bekannte Hofsalbe" charakterisiert (§ 9), ein Hinweis darauf, daß die an den Hof gelieferten Waren erst nach langer Zeit bezahlt wurden. Einzelne So statt aus. 12) Nicht Stiseüus, wie der Name bei Breysig, Gesch. der Brandenburgischen Finanzen I, 177 Anm. 1 infolge Druckfehlers lautet. 1S) Breysig S. 183. Acta Borussica, Münzwesen I, 104. 139

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