Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 2 (Juli 1929)
- Article
- Eine Schmähschrift auf den Berliner Hofjuden Israel Aron 1673
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 140 (sequence 5)
- Language
- German
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Moritz Stern. Eine Schmähschrift auf den Berliner Hof juden Israel Aron 1673. namhaft gemachte Gläubiger erhalten die vom Testator gebrauchten Schuhe (§ 10), die natürlich für sie wertlos waren. 2. Den Beamten wird Begünstigung Israel Arons vorgeworfen. Der Vicekammerpräsident hat ihm „vielfältige Freundschaft" erwiesen. Ist ihm der von Israel geschenkte Mantel zu kurz, so Söll er ihn noch mehr kürzen, wie er es mit den Kostgeldern des Schloßhauptmanns gemacht hat (§ 5)! Battier ist Israel Arons „hoher Patron und vornehmer Gönner" (§ 6). 3. Zu Israel Arons Gunsten hat die Amtskammer „unangenehmliche" Reskripte erlassen (§ 2). Besonders hat sich Israel des Kammerpräsidenten bedient, um Zahlungen zu erlangen (§ 4). Dadurch sind dem kurfürstlichen Hofe, insbesondere dem Oberhofmarschall Verdrießlichkeiten entstanden (§ 3). Im § 7 ist von Assignationen und Vorschußverordnungen die Rede. 4. Israel Aron ist in seiner den Tod herbeiführenden Krankheit von Rabbi Baruch Levi aus Wien14) gepflegt worden. Während alle anderen Erbbeteiligten immerhin annehmbare, wenn auch lächerliche Geschenke erhalten, fällt bei dem „Rabbi" jede Rücksichtnahme fort. Zum Lohn für sein barmherziges Amt läßt ihm der herzlose Pamphletist Israels letzten Stuhlgang zu teil werden (§ 12)! Wer den bisher besprochenen ersten Teil der Schmähschrift, das erdichtete Testament, liest, kann für die Wertung Israel Arons nur entnehmen, daß dieser in Geschäftsverbindung mit dem Kurfürsten und der Amtskammer stand und dadurch, daß er mit Schulden starb, Schaden anrichtete. Alle diejenigen, die mit ihm zu tun hatten, werden verhöhnt. Ganz anders ist der zweite Teil gehalten. Kein Witz und Geist, sondern wüste Schimpferei, die in gereimten Versen einer Grabschrift über den toten Juden herfällt. Alle Juden sind Schelme. So war auch Israel Aron ein Schalk, ein verlogener und schlauer Dieb, der von anderer Leute Schaden lebte und schon längst hätte aufgehängt werden müssen. Ein Hurensohn, dessen toter Leib mit Hundebalsam zu salben, dessen Grab zu verunreinigen sei. Es könnte fraglich sein, ob man Recht tut, den modernen Leser nach so langer Zeit nicht nur mit dem sogenannten Testament, sondern auch mit der pöbelhaften Grabschrift bekannt zu machen. Doch trotz ihres geschmackswidrigen Tones ist diese von Interesse, weil sie zeigt, wie das Volk über Israel Aron am Ende seines Lebens dachte. Aber auch, weil man wieder von neuem sieht, wie wenig die Menge über die wahren Vorgänge bei Hofe und die Geschäfte des Staates orientiert war. In Wirklichkeit hat sich Israel Aron, wie unter Vorlegung der Akten gezeigt werden wird, um den Hof des Großen Kurfürsten verdient gemacht und ist die Schmähschrift ein bitteres Unrecht, das ihm zugefügt wurde. ") Geiger II, 8. 140