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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-07-01 · Heft 2 (Juli 1929) · p. Seite 131

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 2 (Juli 1929)
Article
Zur Geschichte der Juden in Passau
Date
1929-07-01
Page
Seite 131 (sequence 13)
Language
German
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W. M. Schmidt. Zur Geschichte der Juden in Passau. Stadt angefangen hatte, ihn jedoch dann zugestanden „doch also ob sich Juden daselbst hineinsetzen würden, daß dieselben Juden in allen Rechten daselbst sein als die anderen Juden die unterhalb von daselbst sitzen und wohnen. (War daß sich in das neu Gebäu oder unterhalb, da die Juden sitzen, Kaufleut, Bürger oder Arbeiter ziehen und setzen würden, die sollen dann daselbst in den Rechten sitzen als die so vormalen daselbst gesessen sind und oberhalb sitzen). Es handelt sich also nicht, wie man geglaubt, um eine neue, der Bürgerschaft mißfällige Befestigung, sondern um Hausanlagen, in denen Private wohnen konnten und sollten. Es war dabei in Betracht gezogen, die bereits bestehende Judenkolonie dadurch zu erweitern. Also nicht die Ilzstadt ist das von Aeneas Sylvius27) 1444 erwähnte oppidulum judaeorum — das „Judenstädtl", sondern die am anderen Ilzufer liegende Siedlung mit der kennzeichenden Benennung „ F r e i - ung". Sie ist schon 1404 genannt neben einer Schopperstadt, 1409 hat sich dort — bei dem Niederhaus — der Stadtrichter Niklas Zeller ein Haus gebaut und verkauft es an den Bischof; 1412 am 25. April bekennt der Jude Salomon von Regensburg: „als mich der Fürstbischof Jörg zu seinem Juden aufgenommen, so daß ich auf zwei Jahre in der Freyung beim Niederhaus bei anderen seinen Juden sitzen und bleiben soll".28) Man darf also sicher annehmen, daß die Juden bereits im XIV. Jahrhundert aus der Stadt hieherversetzt worden sind. Das erhaltene Bild dieser Siedlung (Abb. 4) würde allerdings keine einzelnen Häuschen aufweisen, sondern vier mehrstöckige Gebäude, darunter ev. auch das große „Gebäu" des Bischofs von 1443. Es müßten also die Juden in den bischöflichen Häusern zu Miete gesessen haben; das Bild ist aber erst im 17. Jahrhundert entstanden, als der Baubestand an dieser Stelle sich vollkommen geändert hatte (Abb. 5), kann also keinen Anspruch auf authentische Wiedergabe der alten Bauten machen. Gleich nördlich der Freiung, an einer Leite des Oberhaus erb erges, nahe beim Wäldchen „Vogelherd" ist eine kleine Ebene künstlich angelegt (jetzt Gemüsegarten Fischer Plan Nr. 219 b), in der schon mehrfach Mauerwerk und menschliche Gebeine gefunden wurden; hier ist der Judenfriedhof; er wird bereits 1418 erwähnt.29) Es erübrigt noch die rechtlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Juden in Passau zu betrachten. Wir besitzen vom XIV. Jahrhundert an für die Stadt genügend urkundliche Belege, um zu sehen, daß der Warenhandel mindestens seit jener Zeit ausschließlich in den Händen der christlichen Bürger lag und daß Juden praktisch davon ausgeschlossen waren. Das Mautregister30) von 1400/01 nennt unter vielen Händlern nur zweimal den Juden Issel, der Wein herzu- und hinwegführte; ob er in Passau 27) Brief in Kaspar Bruschius, de Laureaco. 2S) Hauptstaatsarchiv München: St. Jörgenberg Urkunden. 29) Hauptstaatsarchiv München, Kloster Niederburg, Urkunden. 30) Verhandlungen des histor, Vereins f. Niederbayern, Bd. 44/45. 131

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