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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-07-01 · Heft 2 (Juli 1929) · p. Seite 125

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 2 (Juli 1929)
Article
Zur Geschichte der Juden in Passau
Date
1929-07-01
Page
Seite 125 (sequence 7)
Language
German
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W. M. Schmid. Zur Geschichte der Juden in Passau. daß die 6.—10. Juli 1404 in Salzburg und Hallein betriebene Verfolgung der Juden17) nicht nach seiner Residenzstadt übergriff; vielleicht hat er sogar manchen der Flüchtenden aufgenommen. Er folgte nur einem allgemeinen Zug der Zeit wie auch dem Synodalbeschluß von 1267, wenn er bei einem sehr starken Pestausbruch 1407 in seiner neuen Medizinalordnung den Juden als Feinden der Christen die ärztliche Praxis verbot, war vielmehr sogar fortschrittlich, als er die letztere nur den an der Universität Wien approbierten Personen gestattete.18) Auf einem Provinzialkonzil im November 1418 in Salzburg wurde den Juden das Tragen des spitzen Hutes erneut eingeschärft und für die jüdischen Frauen und Mädchen eine klingende Schelle vorgeschrieben.19) Der Passauer Suffraganbischof übernahm diese Beschlüsse in einer Diözesensynode vom Jahre 1419.20) Später scheint, daß die in Deutschland allgemein übliche Kennzeichnung durch einen gelben Stoffring auf der Brust der Männer und zwei blaue Streifen am Gewand der Frauen auch in Passau zur Einführung gelangte. Es ist bezeichnend, daß der Stadtrat um 1520, als es keine Juden mehr in Passau gab, den gelben Stoffring (eine Null!) für die böswilligen Schuldner vorschreiben wollte, was aber bei der fürstlichen Regierung nicht durchdrang. Als gelegentlich einer Bischofsneuwahl die Zünfte wieder einmal versuchten, ihre „Ordnungen" der Aufsicht der fürstlichen Regierung zu entziehen, nahmen 1424 die Fleischhacker eine neue Ordnung an,21) in der ein Abschnitt lautet: „Wir sein auch einträglich überein worden, daß unser keiner, der in unser Zech ist, keinem Juden oder Jüdin gar nichts zu kaufen geben noch arbeiten (schlachten) soll; welcher das überführ, der ist dem unserer Herren (Stadt-) Rat die Besserung. (Geldstrafe), dem Richter seinen Wandel (Strafgebühr) und in unsere Bruderschaft 4 Pfund Wachs verfallen". Ueber weitere urkundliche Nachrichten im XV. Jahrhundert werden wir unten hören. Es zeigt sich also eine, wenn auch nicht große Judengemeinde im Mittelalter in Passau ansässig; daß sie nach damaliger Gewohnheit ein abgeschlossenes Quartier bewohnte, ist sicher. Für dessen Lage ist ein Blick auf die Stadtanlage notwendig. Die auf der Donau stromab wie stromaufwärts gehenden Warenschiffzüge hatten ihre Lände am Nordrand der Altstadt, dem späteren „Fischmarkt"; die den Inn herabkommenden Schiffe landeten beim „Tümpel" im Ort, am Südende der Altstadt, wo das Salz in Gaden und Stadeln bis zur Weiterverfrachtung gelagert wurde. Von beiden Länden führten Gassen direkt zum Marktplatz. Dieser lag, als Fortsetzung der Anlage schon der römischen Station, auf einem leicht abfallenden Plateau östlich des Kastells Batave. Auf dem letzten Areal, dem höchsten Punkt des Altstadthügels, entstand der Dom, die bischöfliche A. Altmann, S. 131. «) Mon. Boic. 31. II. S. 69. 19) Binterim, Geschichte der deutschen Konzile VII, S. 416 20) ebenda, S. 127. 21) Stadtarchiv Passau II. 6. 125

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