Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 2 (Juli 1929)
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Passau
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 124 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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VC. M. Schmid. Zur Geschichte der Juden in Passau. der Stadt je ein Haus.10) Das in der Pfaffengasse erscheint 1355 im Besitz des Konrad Jud (urkdl. bis 1366), der also wohl ein Sohn des Heinrich gewesen ist. Keine urkundliche oder chronikale Nachricht spricht davon, daß die Judenverfolgung von 1337 in Deggendorf (Hostienfrevel) und die von 1349 in Salzburg (Verdacht der Pesterregung durch Brunnenvergiftung) nach Passau übergegriffen hätte. Im XIV. Jahrhundert hören wir dann weiter nichts von den Juden bis zum 21. Februar 1390, an welchem Datum König Wenzel der Stadt befiehlt, die gefangenen Juden und Jüdinnen unverweilt in Freiheit zu setzen.11) Den Grund der Gefangensetzung erfahren wir nicht, vielleicht hängt sie aber zusammen mit dem Bürgeraufruhr gelegentlich der zwiespältigen Bischofswahl Ruprecht von Berg — Georg von Hohenlohe. Am 16. Sept. 1390 folgte die bekannte Erklärung König Wenzels, in der er geistliche und weltliche Herren, Klöster und Städte ihrer Geldschulden an seine Kammerknechte, die Juden, ledigsprach.12) Anschließend daran bestätigt Ulrich Ecker zu Neueneck am 16. April 1391, daß ihm die Stadt alle Briefe und Pfänder, die er bei Juden in Passau liegen hatte, ausgeliefert habe13). Am 9. Mai 1391 bekennen die Jüdin Gel, des Maier Heß zu Passau Witwe, und ihr Eidam Wolf zu Ulm, daß sie all ihre Schuldner ledig gesagt haben und wegen ihrer Gefangenschaft keine Forderung an die Stadt erheben; dieselben bestätigen am 28. Febr. 1392, daß sie von der Stadt ihrer Geldschuld entrichtet worden seien.14) Am 10. Februar schwören Jakob der Jud von V i 1 s h o f e n , Süß sein Bruder und Josef, beider Schwager, Urfehde wegen der Gefangenschaft in Passau.15) 1395 (24. März) werden die getauften Juden Stefan Wolf und seine Frau Barbara erwähnt.16) Fürstbischof Georg bestätigt 1396 (12. März) eine Geldschuld von 109 Pfd. Pfg. an die Juden David und dessen Bruder, Muschens Sohn von Neub u r g.10) Wir sehen hier die auch sonst von den Fürsten dieser Zeit geübte Praxis, Gelder nicht bei den einheimischen Juden zu entlehnen, um diesen gegenüber freie Hand zu haben. Doch war der genannte Fürstbischof durch den Krieg um seinen Stuhl, durch seine prunkvolle Lebensweise und seine Baulust — er legte den Grundstein zum noch erhaltenen Riesenchor des Passauer Domes — so stark verschuldet, daß er 1412 eine bis dahin unbekannte Vermögenssteuer ausschreiben mußte. Da sie Bürger, Einwohner, Dienstboten und Fremde traf, werden die ansässigen Juden gewiß nicht verschont geblieben sein. Aus eigenem Interesse wird der Fürstbischof also dafür gesorgt haben, 10) Hauptstaatsarchiv München: Passau Hochstift-Urkunden bei den betreffenden Jahren. 1X) Stadtarchiv Passau, I. 170. 12) Stadtarchiv Passau, I. 179. 13) Stadtarchiv Passau, I. 188. 14) wie vor 189 und 206; bei letzterer Urkunde liegt der jüdische Eid in hebräischer Schrift bei, da man glaubte, Unterschriften in deutscher Schrift hätten für die Juden keine bindende Kraft. 15) wie vor 203. ") wie vor 237. 124