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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-07-01 · Heft 2 (Juli 1929) · p. Seite 106

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 2 (Juli 1929)
Article
Die Judenpolitik Herzog Heinrichs des Reichen von Landshut
Date
1929-07-01
Page
Seite 106 (sequence 13)
Language
German
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Raphael Straus. Die Judenpolitik Herzog Heinrichs des Reichen von Landshut. tristischen Nachrichten der Chronisten sind die Taten des Herzogs, die durchaus dagegen sprechen, daß der Herzog hinsichtlich des Geldes nur auf persönliche Bereicherung erpicht war. Denn daß er ständig auch die Fürsorge für Land und Volk bedachte, berichten nicht nur die Chroniken, sondern beweisen auch die urkundlichen Zeugnisse17). Auch in diesem Punkte sind die Nachrichten der Chroniken zu schön, um wörtlich glaubhaft zu erscheinen. Denn daß es Heinrich wirklich geglückt wäre, aus seinem Land einen „Rosengarten" für „Kaufleute und andere" zu machen, kann man nach den Zeitverhältnissen kaum annehmen. Aber daß er die Befriedung und den Wohlstand des Landes erstrebt hat, ist wegen der Bestätigung durch die Urkunden nicht zu bezweifeln und ebensowenig, daß er viel erreicht hat. Nun führen uns diese infolge der herzoglichen Politik unversehens in ein Paradies versetzten „Kaufleute und andere" unmittelbar in die Nachbarschaft der Juden. Denn unter diesen „anderen" kann man nur Personen verstehen, die gleich den Kaufleuten viel über Land zogen, also das fahrende Volk und die Juden; die reisigen Ritter und Knechte können ja nicht gemeint sein. Eine notwendige Folge dieser Friedenspolitik war die Einwanderung solcher Juden, die aus anderen Gebieten vertrieben waren oder die Vertreibung gewärtigen mußten. Zwar ist eine solche Zuwanderung nicht ausdrücklich bestätigt, aber man möchte die Nachricht, daß der Herzog „allenthalben" Juden in seinem Lande hatte und sie begünstigte, nicht allein auf die natürliche Vermehrung der Juden ausdeuten und auch die Erklärung der Räte des Herzogs Ludwig dahin verstehen, sein Vater habe „in sein land aus freyem willen Juden aufgenommen"18). Nun hätte man wegen der Erklärungen, die sonst vielfach zur Begründung ähnlicher Gewalttaten angeführt wurden, annehmen sollen, daß die christliche Bevölkerung unter der günstigen Lage der Juden stark gelitten habe. Die Chronisten berichten aber durchaus das Gegenteil. Wenn wir nun, wie das gewiß nötig ist, auch diese Berichte, summarisch wie sie sind, kritisch betrachten, so wird sich doch immerhin ergeben, daß das Unheil, das die Juden angerichtet haben, keineswegs groß gewesen sein kann. Die richtige Erklärung hierfür gibt vermutlich Kluckhohn19) mit den Worten: „Es bedurfte 17) Z. B. Fürsorge für die Müller im Gericht Rottal, für die Schuster in Moosburg, für die Fischer an der Vils: Reg. Boica 11, 388 u. 13, 35 u. 44. Herzog Heinrich hat aber im Rahmen seiner Innenpolitik auch die Stadtbevölkerung begünstigt (vgl. z.B. Neub. Cpb. 32, 189, 225 u. 271: Privilegien für die Goldschmiede, Schuster und Müller v. J. 1448 und 1449). Dagegen scheint Herzog Ludwig bei den Stadtbürgerschaften weniger in Gunst als in Furcht gestanden zu haben, was dem Uebergewicht seiner außenpolitischen Interessen ganz entspricht (u.a. Riezler 3, 312 u. 377). 18) Hauptstaatsarchiv München, Neuburger Copialbuch 11, foll. 34 f. u. 65. — Die „Reformation" König Friedrichs III. vom 14. Aug. 1442 nennt als die Schutzbedürftigen „all geistlich leut, kindelpetterin . . ., pilgrin, lantfarer kaufleut und furleut mit iren haben und kaufmanschaft" (Chmel 982 u. Anhang Nr. 23). 19) In Verhandl. d. hist. Vereins f. Niederbayern 10, 371. 106

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