Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 2 (Juli 1929)
- Article
- Die Judenpolitik Herzog Heinrichs des Reichen von Landshut
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 104 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Raphael Straus. Die Judenpolitik Herzog Heinrichs des Reichen von Landshut. Mit dem guten frid und regiment sambt der fürst einen großen schätz, den vorher lange zeit kein fürst als großen nie gehabt hett . . . Der herr hett groß lieb zu dem rotwild . . ., darumb wardt des wilts unsäglich vil . . vil schad davon geschach ... Er het auch vil Juden allenthalben in seinem land, di wurden kurtz nach seinem Tode ausgetrieben." 6) Die Ebran'sche ist nun die ursprünglichste der drei in Frage kommenden Chroniken, auch zeitlich die den Ereignissen am nächsten stehende. Die anderen Chroniken fußen teilweise auf ihr7). 2. Veit von Arnpeck. Von dessen Chronik liegen zwei Fassungen vor, eine lateinische (a) und eine deutsche (b). Sie berichten: a) „Hic princeps utiliter sibi et suis ducavit.....Tale itaque regimen duntaxat per suos potiores et sapientiores perfecit . . . Feras denique nimis avide amavit . . . ., ideo . . multa damna .. suis subditis intulerunt. Insuper Judaeos ardenter fovit"«). b) „Der fürst regiret auch gar fürstlich im selber und seinen underthanen gar nützlich und löblich .... Mit dem güeten frid und regiment samlet der fürst einen großen schaz, den vorher lange zeit kein fürst als grossen nie gehabt hett . . . Der fürst hette gar gross lieb zu dem roten wild . . . ., er hett auch vil Juden allenthalben in seinem land, die wurden kurz nach seinem todt ausgetriben"9). 3. Johannes Aventinus, der den Ereignissen zeitlich am fernsten stand und dessen im schönsten Sinne lehrhafter Persönlichkeit außer dem Bericht auch die Bewertung der Tatsachen und Personen nahelag, berichtet, was die Juden betrifft, in reizvoller, aber überspitzter Form: „(Herz. Heinrich) ist ein diemütiger fürst, ein gueter haushaber gewesen, doch zeicht man in, er hab die Juden und das rotwild zu vast lieb gehabt" 10). Glückliche Wortprägungen („Bonmots") sind mitunter der Sachlichkeit gefährlich und erst recht dann, wenn ein Aventin ihr Autor ist. Nur so kann man den ungestalteten und ungestaltbaren Gedanken verstehen, daß zwischen dem nüchternen Rechner Heinrich und den Juden eine Art ursprüngliches Einverständnis bestanden habe. Ein solches nimmt Riezler11) nur als Vermutung an; er nennt es eine „gewisse Wahlverwandtschaft", verabsäumt aber nicht, die gewichtigeren sachlichen Erklärungen von Heinrichs Judenpolitik vorab zu erörtern. Bei Döberl12) wird daraus ohne alle Einschränkung und ohne Erörterung der sachlichen Gründe eine „innere Seelenverwandtschaft", und wiederum zeigt sich hier die Gefahr einer über- 6) ed. Roth in „Quellen und Erörterungen z. bayr. u. dt. Gesch., N. F. 2,142. 7) s. das S. LXXIXff. 8) ed. Pez in Thesaurus anecd. (Augsburg 1721) III, 2. 399. 9) ed. Feyberg in Sammig. hist. Schriften (Stuttg. 1827) I, 147. 10) „Bayr. Chronik" ed. Lexer (München 1886) II, 589. 1J) Bayr. Geschichte 3, 363. 12) Entwicklungsgeschichte 1, 300. 104